Bildungsminister will eine Rückkehr : Museum bangt um Pädagogin

Geschätzte Expertin: Christina Dalchau mit Schülern im Kleist-Museum.
Geschätzte Expertin: Christina Dalchau mit Schülern im Kleist-Museum.

Bildungsministerium sieht das als Beitrag im Kampf gegen den Lehrermangel an den Schulen, in Frankfurt jedoch ist der Ärger groß.

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09. Juni 2015, 08:00 Uhr

Seit zehn Jahren ist die Lehrerin Christina Dalchau als Museumspädagogin an das Kleistmuseum Frankfurt (Oder) abgeordnet. Ihre Arbeit dort findet bundesweit große Resonanz, trotzdem sind die Tage der 52-Jährigen im Museum gezählt. Zum neuen Schuljahr muss sie zurück an eine Schule. Das hat Bildungsminister Günter Baaske (SPD) entschieden. Er sieht das als Beitrag im Kampf gegen den Lehrermangel an den Schulen, in Frankfurt jedoch ist der Ärger groß. Auch der Museumsverband und andere Institutionen haben Protestbriefe nach Potsdam geschickt.

Christina Dalchau ist kein Einzelfall. Laut Ministerium gibt es landesweit rund 400 Lehrer, die nicht direkt im Unterricht eingesetzt werden. Manche sind an das Schulinstitut Lisum abgeordnet, andere an Gedenkstätten oder eben Museen. Wie viele dieser Pädagogen im Rahmen von Baaskes Initiative zum neuen Schuljahr in den Unterricht zurück müssen, kann Ministeriumssprecher Florian Engels auf Nachfrage nicht sagen. Unklar bleibt auch, warum es die Expertin des Kleist-Museums trifft und andere Lehrer nicht.

„Christina Dalchau macht eine hervorragende Arbeit am Kleist-Museum“, bestätigt Florian Engels. „Sie ist aber auch eine hervorragende Lehrerin, die wir für den Unterricht benötigen.“ Er argumentiert, dass das Thema der abgeordneten Lehrer insgesamt diskutiert werden müsse. Schon in dieser Woche werde sich der Landtag damit befassen.

Im Klartext: Das Ministerium sieht nicht ein, dass aus seinem Topf fachfremde Leistungen bezahlt werden. Wenn die Museumsarbeit von Frau Dalchau so geschätzt wird, möge doch jemand anders ihre Stelle finanzieren, aber nicht das Schulministerium.

Christina Dalchau empfindet ihren Abschied in doppelter Hinsicht als „unverständlich und enttäuschend“. So gebe es niemand, der ihre Arbeit dort fortsetze, eine wichtige Anlaufstelle für Schüler und Lehrer in Sachen Kleist falle damit weg. Außerdem habe ihre Stammschule zum neuen Schuljahr überhaupt keine Stelle für sie als Deutsch- und Geschichtslehrerin. Ministeriumssprecher Engels bestätigt: Noch sei unklar, wo Frau Dalchau eingesetzt wird. Aber der Bedarf in der Region sei sehr groß.

Christina Dalchau sieht sich als Opfer von „Zahlenschieberei“ und vermutet, dass im Ministerium nicht ausreichend bekannt ist, was sie tut: „Ich mache nicht nur Museumsführungen, sondern oft auch normalen Unterricht, aber eben an einem anderen Ort.“ Wolfgang de Bruyn, Chef des Kleist-Museums, hofft noch auf Einlenken Baaskes: „Was wir hier erleben müssen, ist schmerzhaft, richtig dramatisch. Frau Dalchau ist mit ihrer Arbeit ein Glücksfall für Schüler und Lehrer. Ihr Abschied wäre ein nicht zu kompensierender Verlust.“

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