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Totes Ehepaar in Alanya : Mordopfer waren Potsdamer Kunstsammler

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Mord an einem Ehepaar in der Türkei erschüttert auch die Brandenburger Kunstszene. Beim Ermordeten Peter H. handelt es sich um einen bekannten Kunstsammler, der bis vor vier Jahren in der Nähe von Potsdam am Schwielowsee gelebt hat.

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erstellt am 26.Aug.2014 | 05:13 Uhr

Der Mord an einem Ehepaar in der Türkei erschüttert auch die Brandenburger Kunstszene. Beim Ermordeten Peter H. handelt es sich um einen bekannten Kunstsammler, der bis vor vier Jahren in der Nähe von Potsdam am Schwielowsee gelebt und das künstlerische Erbe der jüdischen Grafikerin Gertrude Sandmann (1893 – 1981) verwaltet hat. In seinem Besitz befanden sich mehrere hundert Arbeiten der Künstlerin, die ihm seine Mutter hinterlassen hatte.

Die Leichen von Peter H. und seiner Frau Kerstin waren am Donnerstag im türkischen Alanya entdeckt worden. Dort hielten sich beide bereits seit Juli auf, weil sie auf der Suche nach einem Haus am türkischen Mittelmeer waren. Die Polizei fand den 65-Jährigen und seine 50-jährige Frau Medienberichten zufolge in einer Wohnung im zehnten Stock eines Hochhauses – nach türkischen Medienberichten geknebelt, gefesselt und erschlagen. Ein Tatverdächtiger ist bereits von der Polizei in Alanya festgenommen worden.

Auf das Verbrechen aufmerksam geworden war die Polizei durch Verwandte, die das Ehepaar in der angemieteten Wohnung nicht erreichen konnten. Der Sohn des ermordeten Kunstsammlers hat inzwischen die Leipziger Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die nach Aussagen von Oberstaatsanwalt Ralf-Uwe Korth ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet sowie ein Rechtshilfeersuchen an die Türkei gestellt hat.


Raubmord wohl Ursache für Überfall


„Wir wollen wissen, was überhaupt passiert ist“, sagte Korth gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“. Vermutet wird, dass es sich um einen Raubmord handelte. Dass es bei dem Verbrechen um die Kunstsammlung von Peter H. ging, ist unwahrscheinlich.

Das Ehepaar hatte lange Zeit in Caputh bei Potsdam am Schwielowsee gewohnt und war dann nach Leipzig gezogen. Peter H. hatte sich seit dem Tod seiner Mutter um den künstlerischen Nachlass der jüdischen Grafikerin Gertrude Sandmann gekümmert, Ausstellungen organisiert und Vorträge gehalten – zuletzt im Mai dieses Jahres bei der Enthüllung einer Gedenktafel in der Eisenacher Straße in Berlin. Einen Großteil ihres Nachlasses hütete Peter H.: 650 Arbeiten und Kartons voller Tagebücher. Der Wirtschaftsberater aus Leipzig hatte die Künstlerin als kleiner Junge selbst kennengelernt und war dabei, weitere zeichnerische Arbeiten der von den Nazis verfolgten Jüdin zu digitalisieren und als Drucke anzubieten, um den „Gertrude Sandmann-Verein“ auf den Weg zu bringen.

Gertrude Sandmann hatte die Nazi-Zeit nur überlebt, weil sie vor ihrem Untertauchen im November 1942 in einem Brief ihren Selbstmord ankündigte und anschließend bis Kriegsende bei einer Freundin wohnte. Küf Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Leipzig, zeigte sich tief betroffen vom Tod des Kunstsammler-Ehepaares: „Ich kann nur sagen, die beiden waren sehr, sehr nette Menschen.“

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