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20 Jahre RE 1 : Mit Tempo 160 nach Berlin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Waggons waren mintgrün lackiert, zweietagig – und setzten vor 20 Jahren deutschlandweit Maßstäbe in vielerlei Hinsicht. Im Erste-Klasse-Abteil servierten die Kundenbetreuer den Fahrgästen kostenlos Kaffee und eine Tageszeitung.

Die Waggons waren mintgrün lackiert, zweietagig – und setzten vor 20 Jahren deutschlandweit Maßstäbe in vielerlei Hinsicht. Im Erste-Klasse-Abteil servierten die Kundenbetreuer den Fahrgästen kostenlos Kaffee und eine Tageszeitung. Innerhalb von 53 Minuten war die Hauptstadt von Frankfurt (Oder) aus zu erreichen – rekordverdächtig.

„Nahverkehrszüge hielten bis dahin an jeder Station. Mit dem Regionalexpress haben wir Mittel- und Oberzentren mit der Hauptstadt verbunden und waren Vorreiter in Deutschland, was Fahrzeugqualität und Geschwindigkeit angeht“, blickt Renado Kropp, Marketingchef bei DB Regio, auf das Jahr 1994, die Geburtsstunde der bundesweit ersten Regionalexpresslinie, zurück. Bei der Jungfernfahrt am 27. Mai 1994 von Berlin Ostbahnhof nach Frankfurt (Oder) war auch Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) mit an Bord.

„Stolpe hat den eigentlichen Anstoß gegeben“, erinnert sich Hans Leister, den der Ex-Ministerpräsident zwei Jahre zuvor mit dem Projekt RE 1 beauftragte. Das Ziel: Eine Querverbindung von Frankfurt über Berlin und Potsdam nach Brandenburg/Havel.

Doch 1994 ist das leichter gesagt als getan. Für den ersten Regionalexpress mit täglich knapp 4000 Passagieren ist am Ostbahnhof, der damals noch Hauptbahnhof hieß, Endstation. Ein Jahr später tastet sich aus westlicher Seite der RE 1 West bis an Berlin Zoologischer Garten heran, doch beide Teillinien begegnen sich nie.

Erst vier Jahre später, im Mai 1998, rauschen die mittlerweile modernisierten und nun roten Doppelstockzüge nach Eröffnung der Berliner Stadtbahn von Frankfurt (Oder) bis nach Brandenburg/Havel und Magdeburg durch. Große Städte werden halbstündlich, kleine Bahnhöfe an der Strecke im Stundentakt angefahren. Und Fahrgastzahlen explodieren: 10 000 Passagiere rollen zum Teil mit 160 km/h quer durch Berlin und Brandenburg.

Doch mit der starken Nachfrage taucht ein neues Problem auf: Viele Bahnsteige sind nicht lang genug, um dem Express einen fünften Waggon anzuhängen. Die Bahn baut neue, 140 Meter lange Bahnsteige und Provisorien, um pro Zug bis zu 1000 Reisende befördern zu können. „Der RE 1 war das beste Musterprojekt und ist bis heute die stärkste Linie“, sagt Leister.

Inzwischen sind es nach Auskunft des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) rund 45 000 Reisende, die täglich im RE 1 Platz nehmen. DB-Manager Renado Kropp rechnet mit einer weiteren Fahrzeitverkürzung, wenn der letzte Streckenabschnitt zwischen Erkner und Berlin erneuert ist und durchgängig Tempo 160 gefahren werden kann. „Da steckt noch Potenzial drin.“ Zugleich aber stößt die Mutter aller Regionalexpresslinien in Deutschland 20 Jahre nach der Geburt an ihre Grenzen. Ein sechster Waggon ist aus Kropps Sicht Wunschdenken: „Man kann höchstens durch zusätzliche Züge in Stoßzeiten den Takt verdichten“.


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