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Tiere und Wissenschaft : Mit dem Pferd zur Uni

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Buchstäblich auf der grünen Wiese können Studenten der Freien Universität Berlin künftig studieren. Für Studiengänge wie Veterinärmedizin eröffnet die Universität morgen eine nach eigenen Angaben europaweit einmalige Einrichtung.

Buchstäblich auf der grünen Wiese können Studenten der Freien Universität Berlin künftig studieren. Für Studiengänge wie Veterinärmedizin eröffnet die Universität morgen eine nach eigenen Angaben europaweit einmalige Einrichtung, in der Reproduktionsmedizin, Pferdezucht sowie artgerechter Umgang mit Pferden betrieben und gelehrt werden. Konzipiert ist zudem ein Bachelor-Studiengang Pferdewissenschaften, der im Herbst startet. Studenten können hier auch Praktika machen.

Im Mittelpunkt der Ausbildung stehe das Verhalten der Tiere, erläuterte Johannes Handler. Der Professor für Reproduktionsmedizin leitet das Pferdezentrum Bad Saarow (Oder-Spree) der Freien Universität (FU). „Es geht beispielsweise um die Mensch-Pferd-Beziehung und die Ausbildung der Pferde als Nutztiere.“

Durch das neue Zentrum mit Reithalle, Koppeln und Ställen erhielten die Studenten eine sehr praxisnahe Ausbildung, betonte Handler. Bisher hatten die Studenten in Berlin geforscht. Zudem ermöglichten die jetzt geschaffenen Bedingungen, den Studiengang Pferdewissenschaften neu ins Programm zu nehmen. „Dafür habe ich in den vergangenen Monaten an die 30 bis 40 Anfragen erhalten.“ Handler zeigte sich zuversichtlich, dass es genug Interessenten geben wird.

Junge Leute sollten das Rüstzeug zum Umgang mit Pferden erhalten. „Der Pferdesachverstand, der sich am Tier orientiert, soll entwickelt werden.“ Ein etwa 80 Kilo schwerer Mensch müsse genau wissen, wie er ein 600 Kilo schweres Pferd bewegen müsse, damit es etwas tut. „Das geht nicht über Kraft, das geht nicht über Gewalt.“ Vielmehr müssten Wege gefunden werden, das Pferd zum Mitmachen zu gewinnen. Handler: „Das ist ein großer Ansatz.“ Zudem solle dies alles auch wissenschaftlich untersucht und allgemeingültige Verhaltensweise im Umgang mit Pferden entwickelt werden.

Für Forschung und Lehre hat die Universität 23 Rösser, darunter Shetland-Ponys und Haflinger. Die neue Bildungsstätte ermöglicht Studenten auch, ihre eigenen Pferde mitzubringen. Europaweit sei ihm kein vergleichbares Zentrum bekannt, bemerkte der Zentrumsleiter. In Bad Saarow gibt es 88 Boxen, dazu einen Reitplatz und viel Auslauffläche. Die Universität hat dafür das Pferdezentrum eines großen Konzerns übernommen und umgebaut. Zu Finanzen konnte der Wissenschaftler vorerst keine Angaben machen.

Außerdem wurden eine Besamungsstation, Forschungslabors und Untersuchungsräume eingerichtet. „Für unsere Aufgaben sind wir gut aufgestellt“, schätzte Handler. Nach seiner Einschätzung ist das Interesse an Tiermedizin ungebrochen. Auf die 170 Studienplätze der Universität bewerben sich im Schnitt 600 bis 800 junge Leute, zumeist Frauen. „Ein solches Interesse erwarten wir für die Pferdewissenschaften auch.“

Warum wollen gerade Frauen Tierärzte werden? „Die jungen Männer haben den tiermedizinischen Beruf aus ihrem Gesichtsfeld verloren“, meinte der Professor. Sie wendeten sich eher der Humanmedizin oder Agrarberufen zu. „Frauen haben eine engere Verbindung zu Tieren. Das ist ein Beweggrund, dieses Studium zu wählen.“ Die Absolventen können nicht nur Tierärzte werden, sondern auch einmal Führungspositionen in Gestüten oder Pferdebetrieben einnehmen.

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