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Hightech-Welle : Mit dem Autopilot im Traktor

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Aus der Redaktion des Prignitzers

René Voigt hat seine Computer und Monitore direkt am Rand eines Ackers in Tempelberg (Oder-Spree) aufgebaut, auf dem ein Traktor mit einem Düngerstreuer eine schnurgerade Spur zieht. Das Fahrzeug wurde mit Sensoren und Daten vollgestopft.

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erstellt am 18.Okt.2014 | 17:00 Uhr

René Voigt hat seine Computer und Monitore direkt am Rand eines Ackers in Tempelberg (Oder-Spree) aufgebaut, auf dem ein Traktor mit einem Düngerstreuer eine schnurgerade Spur zieht. Das Fahrzeug wurde mit Sensoren und Daten vollgestopft. Spezielle digitale Karten dienen als Vorlage, um die Nährstoffe effizient und umweltschonend auf das Feld zu bringen. Der Fahrer wiederum muss nur noch im Notfall lenken. „Precision Farming“ nennt sich eine Hightech-Welle, die gerade über die Felder der Republik rollt.

Dünger ist teuer, Diesel und Ersatzteile ebenso, zudem liefern sich die Bauern ein Rennen gegen die Zeit, um möglichst optimale Erträge einfahren zu können. Unter diesen ökonomischen Zwängen kommen immer mehr Computer ins Spiel – sie kennen die Äcker bald besser als die Herren der Felder. „Alles läuft dann perfekt“, sagt René Voigt.

Der 28-jährige Agrarwissenschaftler hat früher im Betrieb seines Vaters in Friedersdorf (Märkisch-Oderland) gearbeitet, doch mittlerweile einen andere Weg eingeschlagen: Für die Firma New Tec vertriebt er smarte Systeme, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Wie groß der Markt dafür ist, hat er während eines Aufenthalts in Australien erlebt. „Dort sind sie in der technischen Entwicklung weiter“, sagt Voigt. Diese Jahr spürt der Vertreter freilich einen Boom, vor allem Autopiloten verkaufen sich gut. Der Vorteil: „Ein Fahrer braucht seine Konzentration zum Steuern, mit einem Lenksystem wird der Kopf frei“, sagt er. Kunden berichten ihm, sie seien nach langen Arbeitstagen entspannter. „Einer erzählte, nach 16 Stunden auf dem Mähdrescher hat er jetzt noch Lust auf Gespräche mit seiner Frau“, erzählt Voigt.

Bis auf 2,5 Zentimeter genau lassen sich die Maschinen per GPS steuern – auch riesige Mähdrescher. Voigt meint, fünf Prozent Kosten ließen sich mit dem Einsatz smarter Agrartechnik sparen, die sich auch in älteren Fahrzeugen nachrüsten lässt. Auf der anderen Seite müssen Landwirte weit über 10 000 für ein Lenksystem bezahlen.

Auch Holger Möller ist fasziniert von den neuen Möglichkeiten. Der Mitarbeiter der Agro-Service Luckau berichtet von optischen Sensoren, die quasi den Gesundheitszustand der Pflanzen oder die Feuchtigkeit der Getreidekörner messen. „Alles lässt sich jetzt elektronisch dokumentieren“, sagt er. „Diese Technik wird sich überall durchsetzen“, so der gelernte Landwirt, der zusätzlich viele Jahre in der IT-Branche arbeitete. Bislang nutzen erst ein Dutzend Brandenburger Unternehmen im Rahmen eines Modellprojekts die intelligente Technik. Gefördert wird mit EU-Mitteln die fachliche Beratung.

„Wir sind in Brandenburg in diesem Bereich leider Schlusslicht“, bringt es Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Vereins LAG Oderland, der Projekte im ländlichen Raum organisiert, auf den Punkt. „Bei uns werden eben die geringsten finanziellen Erträge pro Hektar erzielt. Es fehlt Geld, um neue Geräte anzuschaffen“, so Schmidt.

Auch der Deutsche Bauernverband berichtet von einem Trend, in moderne Agrartechnik zu investieren. Zwölf Milliarden Euro haben die Landwirte im vergangenen Jahr insgesamt für Höfe, Fahrzeuge und Energieerzeugung ausgegeben. Allein ein moderner, hochgerüsteter Mähdrescher schlägt mit bis zu 250 000 Euro zu Buche. „Die Zeiten sind aber vorbei, einen Bauernhof nur nach Gespür zu führen“, sagt Sprecher Michael Lohse.

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