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Laden mit 14 000 Schallplatten : Missionar mit schwarzen Scheiben

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die ist schon oft totgesagt worden, aber es gibt sie immer noch: die Schallplatte. Zwar fristet die Scheibe aus schwarzem, manchmal auch buntem Vinyl ein Nischendasein, aber das mitunter an außergewöhnlichen Orten.

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erstellt am 17.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Sie ist schon oft totgesagt worden, aber es gibt sie immer noch: die Schallplatte. Zwar fristet die Scheibe aus schwarzem, manchmal auch buntem Vinyl ein Nischendasein, aber das mitunter an außergewöhnlichen Orten. Etwa im nicht gerade als Trendsetter-Ort bekannten Kyritz. Dort betreibt Ulf Karge seit 20 Jahren mit Kontor Records einen von wenigen Plattenläden in Brandenburg. Zwar ist Karge auch auf anderen Feldern aktiv: Er betreibt noch einen Online-Plattenhandel, ist als DJ unterwegs, organisiert Veranstaltungen und verleiht Technik. Vor allem aber missioniert er, denn die Liebe zum Vinyl ist seine Berufung. „Ich muss das Gefühl haben, dass die Musik von der Platte kommt.“

Wer seinen kleinen Laden in dem alten, schon ein wenig sanierungsbedürftigen Eckhaus an der Perleberger Straße betritt, steht im vergangenen Jahrhundert: Vinyl an den Wänden, Vinyl auf den Tischen, Plattenhüllen an der Decke, und am Tresen drehen sich zwei Plattenteller.

Besucher, die ohne Umschweife geduzt werden, bekommen nicht nur einen Kaffee, sondern gleich noch einen Exkurs in die DJ-Geschichte und Tipps für den richtigen Plattenspieler. Einer seiner Stammkunden, ein Eisenbahner, schaut auf dem Weg zum Dienst in Neustadt/Dosse im Laden vorbei. Als er wieder geht, hat er einige Neuerwerbungen unterm Arm und weiß nun, worauf er beim Kauf des Plattenspielers achten muss.

„Das ist ein echter Liebhaber“, sagt der Ladenbesitzer. Das sind jene, für die eine Vinylplatte ein Sammlerobjekt ist, egal von welchem Künstler sie stammt. Da steht dann schon mal Bob Marley neben Andrea Berg im Plattenschrank. Dann gibt es noch die Enthusiasten, die alles sammeln, was von ihrer Lieblingsband kommt. Und jene Puristen, denen der Klang einer Schallplatte einfach nur besser gefällt. Klassik und Jazz gehen eher schlecht, vor allem Rock und Pop erleben eine Wiedergeburt. „Die Stückzahlen sind ziemlich hoch“, sagt Karge.

Ihn freut es, denn gleichzeitig mit der Wiederentdeckung der Schallplatte durch den Normalkunden begann der Niedergang des DJ-Vinyls. Vom Verkauf an Profis hat Karge jahrelang gelebt. Am 8. August 1994 eröffnete der Hobby-DJ, der die Liebe zur Musik schon zu Ost-Zeiten entdeckte, einen Laden, damit er seine Techno- und House-Platten nicht immer in Berlin kaufen musste. „Ich wollte mich mit dem CD-Verkauf über Wasser halten. Das Vinyl war nur eine Nische“, sagt der gelernte Elektriker. Doch die DJ-Kollegen sahen das anders, sie wurden seine Hauptkundschaft. Bis zu 1400 Schallplatten gingen in Spitzenzeiten pro Monat über den Tresen, bei nur 500 CD.

14 000 Schallplatten hat Karge auf Lager, für den erhofften Boom ist er also gerüstet. Der soll bis nach Kyritz kommen. Ein Umzug in die Großstadt ist für ihn keine Alternative. Da gäbe es sicherlich mehr Laufkundschaft, aber auch deutlich höhere Kosten und weniger Ruhe. „Ich gehe für mein Leben gerne feiern in Berlin“, sagt der Kyritzer, der danach aber lieber wieder in die Provinz zurückkehrt.

Auch für diesen Trend hat er ein gutes Gespür. Der Plattenliebhaber weiß von Gleichaltrigen, die ihren Lebensmittelpunkt nach Jahren in der Ferne wieder in ihre alte Heimat zurückverlegten. Und dort empfängt Ulf Karge sie dann mit dem Sound ihrer Jugend.

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