Arbeitgeber um knapp 40 000 Euro gebracht : Meisterkoch droht Gefängniskost

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Das Landgericht Frankfurt (Oder) hat gestern die Berufung von Peter K. als unbegründet verworfen.

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21. März 2015, 11:00 Uhr

Vor fünf Jahren noch ließ er sich als Brandenburgs Meisterkoch feiern, verhalf dem Hotel „Gut Klostermühle“ in Alt Madlitz (Oder-Spree) zu 14 Punkten im Restaurantführer „Gault Millau“ und muss nun für zwei Jahre auf Gefängniskost umsteigen. Das Landgericht Frankfurt (Oder) hat gestern die Berufung von Peter K. als unbegründet verworfen, aber immerhin die 2014 vom Amtsgericht Fürstenwalde verhängte Strafe um acht Monate reduziert. „Das ist nicht das, was wir erhofft hatten“, kommentierte sein Verteidiger Michael Hentze nach dem Urteilsspruch und kündigte an, in Revision gehen zu wollen. „Unser Ziel war es, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.“

Doch das Gericht unter dem Vorsitz von Dirk Kreckel sah dafür keinen Anlass. Denn der aus dem Schwarzwald zugewanderte Meisterkoch hat zwischen 2008 und 2012 nicht nur seinen Arbeitgeber in Alt Madlitz um knapp 40  000 Euro gebracht, sondern schon einige Bewährungsstrafen hinter sich: Urkundenfälschung, Betrug oder Veruntreuung von Arbeitsentgelt und Sozialversicherungsbeiträgen. Insgesamt sieben Einträge spuckt das Bundeszentralregister aus – meist kam der Koch mit Bewährungsstrafen davon.

Als er 2008 in Alt Madlitz die Küche übernimmt, plagen ihn Schulden. In Eberswalde (Barnim) setzt er zuvor beim Versuch, ein Restaurant am Markt zu eröffnen, Geld in den Sand und muss Privatinsolvenz anmelden. Seine Arbeitgeber ahnen nichts von den finanziellen Sorgen. Sie reißen sich um Peter K. Auch das „Gut Klostermühle“.

Etwa 1500 Euro netto bleiben dem Küchenchef nach seinem Wechsel ins Brandenburgische. Zu wenig, um Frau und zwei Kinder ernähren und zugleich Gläubiger aus vorangegangenen Urteilen zufrieden zu stellen. So kommt Peter K. zwischen Frühstück und Gänsebraten auf die Idee, der Buchhalterin des Hotelbetriebes fingierte Rechnungen vorzulegen. Von der Hofgemeinschaft Marienhöhe in Bad Saarow will er mal knapp 500 Kilogramm Lamm, mal Fleisch vom Rind oder Schwein sowie Käse geliefert bekommen haben. Etwa einmal im Monat reicht Peter K. gefälschte Rechnungen ein. Er merkt, dass sich das Risiko entdeckt zu werden, dank fehlender Kontrollmechanismen in Grenzen hält.

Offensichtlich, wundert sich auch Staatsanwältin Iris Brauer, fällt niemandem auf, „dass die Waren in der Küche gar nicht vorhanden waren.“ Erst Pfingsten 2012 kommt die Geschäftsleitung ihrem diebischen Meisterkoch auf die Schliche – und wägt ab: Den kriminellen Koch rauswerfen und Anzeige erstatten oder beide Augen zudrücken, weiter von seinem Können profitieren und ihn den entstandenen Schaden abarbeiten lassen? Peter K. bleibt.

Fast ein Jahr lang verzichtet er auf Urlaub, freie Tage und steht unter Beobachtung. Im Frühjahr 2013 hält er es nicht mehr aus – und kündigt. Fast zeitgleich kündigt ihm auch sein Arbeitgeber, stellt Strafanzeige und lässt ein Schuldeingeständnis notariell beglaubigen, dass auch die Verpflichtung enthält, jeden Monat 1500 Euro zu überweisen. Da verdient Peter K. anderswo schon 3500 Euro, stellt aber nach zwei, drei Raten die Zahlungen ein. Inzwischen arbeitet K. am Ammersee. Sein neuer Chef bescheinigt Peter K. eine ausgezeichnete Arbeit als Küchenchef. Das Gericht stellt das nicht in Frage, hat aber Zweifel an einer künftigen Straffreiheit des Gourmets.

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