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Waldumbau : Mehr Waldvielfalt im Land

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburg setzt den Waldumbau fort – Forscher diskutieren neue Konzepte

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 11:16 Uhr

Brandenburg setzt den Waldumbau fort und pflanzt weitere Bäume. Junge Rotbuchen und Traubeneichen werden seit gestern bei Caputh (Potsdam-Mittelmark) in den Boden gebracht. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg bewirtschaftet den Landeswald und damit ein Drittel der Waldfläche der Mark. 70 Prozent der Bäume sind noch Kiefern.

Um den Anteil zu verringern, kommen jährlich sechs Millionen Laubbäume in die Erde, meist zwei bis drei Jahre alte Setzlinge. Brandenburg investiert pro Jahr etwa zwölf Millionen Euro in den Waldumbau. Mit 1,1 Millionen Hektar befinden sich im Land zehn Prozent der Waldfläche Deutschlands.

Parallel entwickeln Forscher Konzepte, welche Bäume den Wald von morgen prägen sollen. Denn der Klimawandel belastet diese mit weniger Wasser und mehr Schädlingen. Werden exotische neue Arten gebraucht?

Die größte Gefahr für Brandenburgs Wälder in der Zukunft sind Waldbrände. Das Risiko steigt deutlich. „Dagegen können wir etwas tun“, sagt Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst (LFE). Das Land habe ein gutes System zur Branderkennung, Feuerwehren seien schnell zur Stelle, sodass die Auswirkungen der Brände gering gehalten werden können. Gegen mehr und längere Dürrephasen, wie sie zu erwarten sind, lässt sich aber schwer etwas ausrichten.

Bereits seit den 90er-Jahren baut Brandenburg seinen Wald hin zu mehr Mischkultur um. Buchen, Hainbuchen, Eichen und Linden werden gepflanzt. Bisher erfolgt das vorrangig aus ökologischen Gründen, der Klimawandel spielt kaum eine Rolle.

Braucht man in einem anderen Klima mehr dürrebeständige Exoten? „Ich glaube, es wäre falsch, hektisch zu reagieren“, sagt Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts. Die heimischen Bäume seien genetisch vielfältig und anpassungsfähig. Forstbotaniker wollen jene Vertreter ihrer Art finden, die Trockenheit gut verkraften, und sie gezielt vermehren. Brandenburgs Brotbaum – die Kiefer – zum Beispiel schnitt in Trockenstress-Tests des Landeskompetenzzentrums gut ab, genauso wie die Douglasie.

Weniger resistent zeigten sich Buche und Eiche. Wo welcher Baum am Ende gut gedeiht, hängt vom Standort ab. Neue Methoden zeigen Waldbesitzern, wie sie die geeigneten Baumarten finden.

Bis 2050, glauben Forstwissenschaftler, lässt sich mit derzeitigen Strategien gut auf den Klimawandel reagieren. „In der fernen Zukunft liegt das Problem“, sagt Ralf Kätzel. Bisher haben sich die Wälder von Trockenperioden gut erholt. Werden sie das auch noch 2100 können? Massenvermehrungen von Insekten werden im wärmeren Klima häufiger auftreten. Welche Bäume sind dann die richtigen?

Andreas Bolte und seine Kollegen vom Thünen-Institut haben mit Buchen aus wasserarmen Gegenden in Frankreich, Spanien und Rumänien experimentiert. Sie könnten künftig heimische Bestände ergänzen. Auch sogenannte Pionierbäume könnten stärker genutzt werden – Arten, die sich gut vermehren, schnell in die Höhe schießen, mit widrigen Bedingungen klarkommen.

Erforscht wird auch die Robinie. Sie wächst fast überall. Ihr Holz hat einen hohen Brennwert, ist fest und elastisch, lässt sich selbst für Möbel verwenden. Jedoch ist die Robinie als Art, die andere verdrängt, heftig umstritten.

Forstexperten diskutieren auch, ob Exoten wie die Küstentanne eingeführt oder Wälder künftig bewässert werden sollten. Allerdings, so Ralf Kätzel, seien die ökonomischen Fragen der Anpassung an den Klimawandel bisher wenig untersucht.

Forschungsbedarf gibt für Pierre Ibisch von der Hochschule HNEE beim Verständnis des Waldes als Ökosystem, in dem viele Lebewesen sich beeinflussen. Und das schon unter Druck steht: durch Wege, die es zerschneiden, Chemikalien, intensivere Nutzung für Bioenergie. „Wir haben es mit einem gestressten Waldökosystem zu tun. Da kommt der Klimawandel noch obendrauf.“ Naturschutz und Waldwirtschaft müssten künftig an einem Strang ziehen, sagt Ibisch.  

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