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Tierversuche : Mehr Versuchstiere in Brandenburg eingesetzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tierschützer demonstrieren am Wochenende in Berlin. Ein Experte wirbt hingegen um Verständnis.

Die Zahl der Versuchstiere im Land ist gestiegen. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sind im Jahr 2012 fast 14 800 Tiere für wissenschaftliche Versuche eingesetzt worden. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 13 700. Für 2013 liegen noch keine Statistiken vor. „Im Vergleich zu Wissenschaftshochburgen spielt Brandenburg bei Tierversuchen eine marginale Rolle“, sagte Amtssprecherin Doris Lorenz.

In landesweit 45 Einrichtungen sind der Behörde zufolge etwa 120 Versuche vorgenommen worden. In den meisten Fällen ging es dabei um die Erforschung von Krebskrankheiten und Ernährungsfragen. Vor allem Mäuse und Ratten wurden genutzt. „Die Versuchstiere sind meist eigens dafür gezüchtet worden, nur selten wird mit Nutz- und Wildtieren gearbeitet“, sagte Lorenz.

Brandenburgs Tierschützer lehnen diese Versuche ab. „Wir wissen aber auch, dass die Forschung nicht von heute auf morgen verändert werden kann“, betonte die Vorsitzende des Landestierschutzverbands, Renate Seidel. Sie forderte deshalb, dass der Bund mehr Fördermittel für die Suche nach Alternativen zu Tierversuchen ausgibt. Für Sonnabend hat der Deutsche Tierschutzbund zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen. Auch der Tierschutzverband Brandenburg beteiligt sich an der Protestaktion anlässlich des Tages des Versuchstiers.

Axel Mueller, Vorsitzender der Tierversuchskommission des Landes, vertrat indes die Ansicht, dass sich viele Tierschützer nicht genügend mit der geltenden Gesetzeslage beschäftigen würden. Denn alternative Untersuchungsmethoden würden nicht immer dem hohen Sicherheitsanspruch in Deutschland gerecht. „Und am Ende möchte doch jeder ein sicheres Medikament nehmen.“

Der promovierte Zoologe leitet seit mehr als 20 Jahren die Kommission, die dem Landesumweltamt und Versuchseinrichtungen beratend zur Seite steht. Das Gremium aus Tierschützern, Tierärzten und Naturwissenschaftlern entscheidet nicht, ob ein Experiment durchgeführt werden kann. Im Fokus stehe dabei immer die Frage, ob die erwarteten Erkenntnisse das Leid, das die Tiere unter Umständen erdulden müssen, rechtfertigten, erklärte Mueller.

Trotzdem geriet Ende Februar das Medizinische Kompetenzzentrum in Wendisch-Rietz (Oder-Spree) ins Visier von Tierfreunden. Hier werden Mediziner weitergebildet. Sie operieren dafür auch Schweine, die im Anschluss eingeschläfert werden. Im vergangenen Jahr trainierten dort Ärzte an 255 narkotisierten Schweinen. „Auch darüber wird jedes Jahr neu entschieden, die Zulassungsverfahren sind strenger geworden“, betonte Mueller.

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