In Rühstädt und Co. : Mehr Störche, weniger Nahrung

Es gibt wieder mehr Jungtiere – doch die Nahrung wird knapper.
Foto:
Es gibt wieder mehr Jungtiere – doch die Nahrung wird knapper.

Nach einer schlechten Saison im vergangenen Jahr werden in Brandenburg vermehrt Jungstörche gesichtet. Trotzdem droht Gefahr.

svz.de von
26. Juli 2014, 14:23 Uhr

Anders als im vergangenen Jahr entwickelt sich der Storchen-Nachwuchs in Brandenburg in dieser Saison ganz gut. Experten schlagen dennoch Alarm: Der Storch ist in Gefahr!

Die Zahlen von 2004 können womöglich nie wieder erreicht werden, befürchtet Bernd Ludwig, Weißstorch-Experte beim Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg. Damals wurden landesweit fast 3300 kleine Adebare flügge. Im Schnitt brachte jedes der 1205 Brutpaare 2,7 Jungen durch. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es im Schnitt 1,4 Jungen. Ludwig spricht von einem Katastrophenjahr. Für diese Saison aber deutet sich eine bessere Nachwuchs-Bilanz an. Genaue Zahlen kann Ludwig noch nicht liefern. Dazu ist es noch zu früh. Allerdings weiß er inzwischen, dass es etwa in der Prignitz, rund um Zossen (Teltow-Fläming) und Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) sowie Calau (Oberspreewald-Lausitz) „ganz gut“ aussieht.

Vor allem wegen des zunächst verregneten Sommers hatte das Jahr 2013 die Weißstörche in Brandenburg auf eine harte Probe gestellt. Ende Juni starben Hunderte Jungstörche an Unterkühlung. Ihr durchnässtes Federkleid bot noch keinen ausreichenden Schutz gegen Nachttemperaturen um die sechs Grad. Jeder zweite Jungstorch kam nicht durch. Normalerweise schafft es jedes fünfte Junge nicht.

Brandenburg ist das Bundesland, in dem deutschlandweit die meisten Störche ihren Sommer verbringen. Ein Großteil der Tiere hält sich regelmäßig im Biosphärenreservat Spreewald und in der Prignitz auf. Dort befindet sich das storchenreichste Dorf Deutschlands – Rühstädt. Dort sind in dieser Saison 38 Nester mit einem Pärchen besetzt. 28 von ihnen haben gebrütet, berichtet Petra Schlangat, die Leiterin des Nabu-Storchenzentrums. Die Eltern-Tiere würden nun 54 Junge großziehen. Es habe auch einige Verluste gegeben. Nicht alle Küken hätten gefüttert werden können. „Aber das ist normal“, sagt Schlangat. Im Schnitt hätten es pro Brutpaar zwei Jungen geschafft. „Das ist insgesamt eine gute Zahl. Wenn über die Jahre immer ein bis zwei Jungen pro Nest durchkommen, bleibt unsere Storchenkolonie auf Dauer erhalten.“

Im Storchenzentrum in Rühstädt können sich Gäste die Dauerausstellung „Weltenbummler Adebar“ ansehen. Neu ist eine Full-HD-Kamera auf dem Dach, die das Geschehen in den Nestern 24 Stunden lang aufzeichnet. Ein Monitor zeigt die Bilder und Kurzfilme mit den schönsten Aufnahmen. Im Altkreis Angermünde (Uckermark) am Nationalpark Unteres Odertal haben sich wie im Vorjahr 64 Brutpaare niedergelassen. 119 Jungen ziehen sie insgesamt groß. Im Vorjahr waren es gerade einmal 54. Das selbsternannte Storchendorf Criewen meldet sogar einen Rekord. Acht Horstpaare haben dort gebrütet. Trotz eines gestorbenen Altvogels und mehrerer Jungvogelverluste stehen heute elf Jungstörche in den Criewener Nestern. Zum Storchenfest haben Naturschützer kürzlich einen neuen Mast mit Nisthilfe am Nationalpark-Zentrum aufgestellt. Im nächsten Jahr könnte es in Criewen also noch ein weiteres Brutpaar geben.

In Linum (Ostprignitz-Ruppin) sind in diesem Jahr zehn Horste besetzt. Dort ziehen sieben Paare insgesamt 14 Jungen groß. Die Bilanz könnte besser sein, meint Marion Szindlowski, die Leiterin der Storchenschmiede. Im Schnitt müssten es 2,5 bis drei Jungen pro Brutpaar schaffen, um die Population stabil zu halten. „Aber es sieht auf alle Fälle besser aus als im vergangenen Jahr. Wir hoffen alle, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ In dem kleinen Storchendorf gibt es 20 Nester auf Dächern und dem Kirchturm. Bis vor einigen Jahren waren wenigstens immer 13 Nester besetzt. Seit einiger Zeit ist die Zahl rückläufig.

Experte Bernd Ludwig kennt den Grund. Ihm zufolge finden die Störche in Brandenburg immer weniger Nahrung. Braunfrösche, Heuschrecken, Eidechsen oder Ringelnattern seien inzwischen Mangelware. Auch der Bestand an Feldmäusen und Insekten gehe zurück. Schuld sei der zunehmende Anbau von Mais und Raps, sagt Ludwig. Wildpflanzen und Feucht-Grünland, wo Adebar zum Beispiel Regenwürmer findet, gebe es immer weniger. „Die Lebensräume der Störche werden immer schlechter“, sagt Ludwig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen