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Umfrage bei Arbeitsagenturen in Brandenburg: : Mehr freie Stellen trotz Mindestlohn

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vielerorts gab es im Januar weniger Entlassungen als im Vorjahreszeitraum. Zudem stieg die Zahl der freien Stellen.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 21:57 Uhr

Einen Monat nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist die befürchtete Entlassungswelle ausgeblieben. Das ergab eine Umfrage bei Arbeitsagenturen. Vielerorts gab es im Januar weniger Entlassungen als im Vorjahreszeitraum. Zudem stieg die Zahl der freien Stellen.

Für eine umfassende Bilanz sei es zu früh, betont Dagmar Brendel, Leiterin der Arbeitsagentur Eberswalde. Aber erste Eindrücke gebe es, und die seien beruhigend. „Wenn jemand angenommen hat, dass uns der Mindestlohn eine Entlassungswelle beschert, kann ich vorsichtig Entwarnung geben: Wir sehen keine Auffälligkeiten“, so Brendel.

Im Einzugsbereich der Agentur, der vom Berliner Rand bis zur Uckermark reicht, habe es im Januar sieben Prozent weniger „Arbeitslosmeldungen aus einer Beschäftigung heraus“ als im Januar 2014 gegeben. Weiteres Indiz dafür, dass der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde den Arbeitsmarkt nicht spürbar belaste, sei die leicht gestiegene Zahl an freien Stellen. „Gesucht werden Beschäftigte für Hotels und Gaststätten, für Callcenter, den Logistikbereich sowie die Pflege- und Gesundheitsbranche“, unterstreicht die Eberswalder Agenturchefin.

Ähnlich sieht es bei der Arbeitsagentur Potsdam aus. „Wir können keine negativen Effekte durch den Mindestlohn erkennen“, erklärt eine Sprecherin. Zwar gebe es saisonbedingt mehr Arbeitslose als im Dezember, aber fast 1400 weniger als im Januar 2014. Allerdings sei der Anteil der Teilzeitstellen gestiegen.

„Das könnte ein Effekt des Mindestlohns sein“, vermutet die Sprecherin. „Einige Firmen suchen nach neuen Arbeitszeitmodellen, um Kosten durch den Mindestlohn abzufedern.“ Im Agenturbezirk Neuruppin, also den Kreisen Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz, gibt es ebenfalls keine größeren Auffälligkeiten. Zwar haben sich laut einer Sprecherin einzelne Arbeitnehmer gemeldet, die angaben, wegen der Mindestlohnregelungen entlassen worden zu sein. „Diese Einzelmeldungen sind aber nicht geeignet, einen Trend daraus abzuleiten.“ Die Arbeitsagentur Königs Wusterhausen beziffert für den Kreis Dahme-Spreewald die auf den Mindestlohn zurückgeführten Kündigungen auf vier. Fazit des Agenturchefs Marco Kilada: „Von einem Jobkiller oder gar Massenentlassungen kann keine Rede sein.“

In einem besonderen Streitpunkt beim Mindestlohn hat indes gestern die Gastronomiegewerkschaft NGG in Berlin-Brandenburg vor einer Abkehr von den getroffenen Regeln gewarnt. So bemühen sich CDU und CSU darum, die Dokumentationspflicht der Arbeitszeiten bei Minijobbern zu lockern. „Die korrekte Aufzeichnung ist aber kein ‚bürokratisches Monster’ sondern eine absolute Selbstverständlichkeit“, hält NGG-Landeschef Uwe Ledwig dagegen. Eine Aufweichung der Regeln würde den Mindestlohn „weitgehend unwirksam machen“.

 

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