Nachhilfe : Mathe: Problemfach Nummer eins

Die Förderung im Unterricht reicht oft nicht mehr aus.
Die Förderung im Unterricht reicht oft nicht mehr aus.

Für ausreichende Förderung in den Schulen fehlen die Lehrer, sagt die Gewerkschaft

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09. März 2014, 15:09 Uhr

Von den rund 267 000 Schülern in Brandenburg sind Tausende auf Nachhilfeunterricht angewiesen. Die Zahl sei seit Jahren stabil, sagte der Sprecher des kommerziellen Nachhilfeanbieters Studienkreis, Thomas Momotow. Im vergangenen Jahr nutzten nach seinen Angaben allein rund 1500 junge Brandenburger das Angebot der 34 Studienkreisfilialen im Land. Mehr als die Hälfte der Schüler waren zwischen elf und 15 Jahren alt. Problemfach Nummer eins ist Mathematik. Gut 65 Prozent der Studienkreis-Schüler erhielten 2013 Nachhilfe in dem Fach.

„Immer mehr Jugendliche kommen aus eigenen Stücken zu uns“, sagt die Sprecherin des Nachhilfeanbieters Schülerhilfe, Sabine Angelkorte. Oft wollten sie bereits gute Noten weiter verbessern. „Die Motivation, frühzeitig auf einen guten Abschluss hinzuarbeiten, ist eine viel größere als noch vor ein paar Jahren“, so Angelkorte.

Privater Nachhilfeunterricht hat seinen Preis: zwischen 8,40 und 9 Euro pro Stunde. Das variiert aber je nach Vertragsmodell und Standort. Eltern mit geringem Einkommen müssten das Geld hart ansparen, meint der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. Er sieht es kritisch, dass aus der Unterstützung von Schülern ein Geschäft gemacht wird. „Die Nachhilfe sollte unabhängig vom Geldbeutel der Eltern sein.“

Nach Ansicht von Fuchs sollten leistungsschwächere, aber auch begabte Schüler bereits im Unterricht gefördert werden. Doch bei 30 Schülern in der Klasse sei eine individuelle Förderung kaum möglich. Ideal wären 22 Schüler. Mit den 18 000 Lehrern, die in Brandenburg unterrichten, könne zudem nur die Grundversorgung gewährleistet werden. „Das müssten 800 Kollegen mehr sein“, forderte Fuchs.

Ganztagsschulen und Hausaufgabenkurse am Nachmittag könnten nur mit ausreichend Personal bewerkstelligt werden. „Es muss mehr Geld in die Schulen fließen und nicht in private Nachhilfe.“

Nach Angaben des Bildungsministeriums nimmt das Land für Schülerförderung pro Jahr mehrere Millionen Euro in die Hand. „Drei bis fünf Millionen fließen in das Schüler-BAföG“, sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Damit erhielten Kinder bedürftiger Familien 100 Euro pro Monat, mit denen sie auch Nachhilfestunden bezahlen könnten. Die Schule müsse das Rüstzeug mitgeben, gezielte Nachhilfe sei Privatsache.

Im Schulalltag und damit auch in der Nachhilfe gewinnt das Internet an Bedeutung. Nachhilfeunterricht läuft auch via „Skypeschalte“ oder über Videotelefonie am Computer. GEW-Landeschef Fuchs sieht darin eine gute Ergänzung zur klassischen Nachhilfe - solange das Angebot kostenlos bleibt. Das bleibt es in der Regel nicht. Dafür sei die Nachhilfe aber dank audiovisueller Unterstützung bedeutend anschaulicher, sagt die Sprecherin des Online-Nachhilfeanbieters Sofatutor, Anita Vetter. Die von ihrer Firma angebotenen Lernbereiche seien speziell auf jedes Bundesland zugeschnitten. Von den bundesweit 66 000 Sofatutor-Nutzern kommen laut Vetter etwa fünf Prozent aus Brandenburg - Tendenz steigend.


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