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Dramatische Aussage : „Maskenmann“-Prozess gestartet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Er lebt im Wald, ist topfit, gebraucht skrupellos seine Pistole – ein Gericht soll klären, ob das Bild der Polizei vom „Maskenmann“ Bestand hat.

Mit fester Stimme fängt die zierliche, blonde Frau an, von dem brutalen Überfall auf sie zu berichten. Doch dann wird ihre Stimme brüchig: „Er holte aus und schlug auf mich ein“, schildert die 61-Jährige vor Gericht. Immer und immer wieder habe der Mann auf sie eingeschlagen. „Wie im Stakkato.“ Aus seiner feinmaschigen Sturmhaube hätten helle Augen hervorgestochen. „Es war ein fürchterlicher Blick“, sagt die Unternehmergattin im Prozess gegen den mutmaßlichen „Maskenmann“ vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46 Jahre alten Angeklagten unter anderem versuchten Mord und versuchten Totschlag sowie schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung vor.

Rund eineinhalb Jahre nach der letzten Tat im Oktober 2012, der dramatischen Entführung eines Berliner Investment-Bankers, bekam gestern ein Phantom ein Gesicht. Monatelang hatten bis zu 400 Polizisten nach dem Gewalttäter gefahndet. Nun steht ein Mann vor Gericht - ob er tatsächlich der „Maskenmann“ ist, muss sich zeigen. Die beiden Millionärsfamilien waren stets um Anonymität bemüht. Der Investment-Banker, der sich aus eigener Kraft aus den Fängen des Kidnappers befreit hatte, will möglichst unerkannt bleiben. Mit Sportkappe und dunkler Brille betrat er den Gerichtssaal. Die beiden blonden Frauen – Mutter und Tochter – schützten sich nicht. Alle schauten dem Mann, der ihr Peiniger sein soll, offen ins Gesicht.

Der 46-Jährige mit kurz geschorenem, dunklem Haar und gestutztem Vollbart wich ihren Blicken nicht aus. Vor den Fotografen hatte er sein Gesicht mit einem Schnellhefter geschützt. Unter hellem Jeanshemd und dunkler Jeans zeichneten sich die Muskeln des durchtrainierten Berliners ab. Er wies die Vorwürfe zurück: „Ich bin der Falsche. Ich habe mit den Anklagevorwürfen nichts zu tun“, ließ er über seinen Verteidiger Axel Weimann zum Prozessauftakt am Landgericht erklären.

Er selbst will im Prozess schweigen. Rechtsanwalt Weimann zweifelt die Beweislast an. „Es sind Umstände aufgetreten, die uns zweifeln lassen, ob alles getan wurde, um objektiv zu ermitteln“, sagte er. Sein Mandant sei „an den medialen Pranger“ gestellt worden unter dem Motto: „Das ist der Täter. So sieht der Maskenmann aus.“

Laut der mehr als 200 Seiten langen Anklageschrift soll der 46-Jährige am 5. Oktober 2012 den Investment-Banker aus seiner Villa in Storkow verschleppt haben, um eine Million Euro Lösegeld zu erpressen. Er soll sein Opfer mit einem Kajak und einer Luftmatratze zu einer Schilfinsel im Storkower See gebracht haben.

Fast genau ein Jahr zuvor hatte der „Maskenmann“ laut Anklage in Bad Saarow zugeschlagen: Zunächst soll er im August 2011 die Unternehmergattin niedergeknüppelt haben. Zwei Monate soll er dann deren Tochter mit einer Waffe bedroht und einen Wachmann, der ihr helfen wollte, angeschossen haben. Eine Notoperation rettete dem Wachmann das Leben, doch er bleibt querschnittsgelähmt.Die Ermittler sind sicher, dass sie den Richtigen haben.

Die Anklage stützt sich auf eine lange Indizienkette. Eine Schlüsselrolle kommt laut Polizei einer auffällig geblümten Decke und der Tatwaffe zu, die in beiden Fällen identisch war. Bislang blieb diese verschwunden. Hinzu kommt das Strafregister und Vorleben des Verdächtigen: Mit einer vergleichbaren Tatwaffe wie in den aktuellen Fällen hatte der Angeklagte 1997 auf drei Menschen geschossen und sie verletzt. In den Jahren 2003/2004 beging er Brandstiftungen und campierte auf einer Schilfinsel in einem der Seen Berlins.

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