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„Maskenmann“-Verhandlung: : Mammutprozess verzögert sich weiter

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Prozess um Überfälle auf eine Millionärsfamilie und die Entführung eines Managers im Kreis Oder-Spree hat das Gericht gestern neue Beweisanträge der Verteidigung als „bedeutungslos“ abgelehnt.

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Im Prozess um Überfälle auf eine Millionärsfamilie und die Entführung eines Managers im Kreis Oder-Spree hat das Gericht gestern neue Beweisanträge der Verteidigung als „bedeutungslos“ abgelehnt. Der Prozess zieht sich weiter hin.

Eigentlich war nach nunmehr 56 Verhandlungstagen vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) das Plädoyer der Verteidigung vorgesehen. Doch daraus wurde nichts. Nachdem in der vergangenen Woche Spekulationen um einen neuen möglichen Tatverdächtigen laut geworden waren, stellte der Anwalt des Angeklagten Mario K. gestern zahlreiche neue Beweisanträge. Sie zielten darauf ab, das mutmaßliche Entführungsopfer Stefan T. unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Außerdem verlangte Axel Weimann neue Ermittlungen zur eventuellen Täterschaft eines Ex-Polizisten.

Bislang geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 47 Jahre alte Dachdecker Mario K. zunächst im August 2011 die Unternehmergattin Petra P. vor ihrer Villa in Bad Saarow brutal attackiert hat. Zwei Monate später soll er die Familie erneut überfallen und dabei einen Wachmann mit Schüssen aus einer Pistole schwer verletzt haben. Ziemlich genau ein Jahr später habe dann der Angeklagte den Investmentbanker Stefan T. von dessen Villa am Storkower See aus auf eine Schilfinsel verschleppt und ihn dort anderthalb Tage festgehalten, bis sich der Entführte nach eigenen Angaben selbst befreien konnte.


Sämtliche Beweisanträge abgelehnt


Der Angeklagte bestreitet die Taten und schweigt im Prozess. Klare Beweise für seine Schuld fehlen. Außerdem offenbarte die Gerichtsverhandlung eine Fülle schwerer Ermittlungsfehler seitens der Polizei. Deshalb erregten zuletzt Medienberichte große Aufmerksamkeit, wonach ein Ex-Polizist möglicherweise als Täter in Frage komme, gegen den in der Vergangenheit auch kurzzeitig ermittelt wurde.

Rechtsanwalt Axel Weimann bemühte sich am Freitag nun, mit Hilfe von Beweisanträgen das Alibi des Ex-Polizisten für den Zeitraum der Entführung von Stefan T. zu erschüttern. So gebe es für die fragliche Zeit „keine belastbaren Beweise“ für die Anwesenheit von Andreas K. auf seiner Dienststelle im Barnim. Außerdem würden zahlreiche Indizien dafür sprechen, den Ex-Beamten zumindest genauer unter die Lupe zu nehmen. Weimann verwies darauf, dass sich Andreas K. und das Entführungsopfer vom gemeinsamen Golfspielen kennen würden. Stefan T.s Anwalt schloss auf Nachfrage nicht aus, dass sich die Männer flüchtig kennen.Das Gericht lehnte jedoch sämtliche Beweisanträge ab. Es gebe keinen Grund, Andreas K. als Täter in Betracht zu ziehen, hieß es zur Begründung. Die Nebenklage hielt der Verteidigung eine „einzigartige Schmutzkampagne“ vor. Es gehe ihr allein darum, von der eindeutigen Täterschaft des Angeklagten abzulenken.

 

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