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Eberswalde (Barnim) : Mädchen in Kita misshandelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In einer Kindertagesstätte in Eberswalde (Barnim) ist ein Mädchen von einem Praktikanten misshandelt worden.

In einer Kindertagesstätte in Eberswalde (Barnim) ist ein Mädchen von einem Praktikanten misshandelt worden. Der 15-jährige Junge klebte dem Kind einen Tesastreifen über den Mund, weil es nicht schlafen wollte. Die Polizei untersucht, ob das Mädchen gefesselt wurde.

Die Eltern des Opfers erstatteten Strafanzeige bei der Polizei. Der Fall hat sich bereits am 24. März ereignet, ist aber erst jetzt bekannt geworden. Offen ist die Frage, warum in dem Schlafsaal keine Erzieherin anwesend war. „An Personalmangel kann das nicht gelegen haben“, versicherte der zuständige Dezernent Bellay Gatzlaff am Freitag. In der Kindertagesstätte gebe es sogar eine Personalstelle mehr als vom Land Brandenburg vorgeschrieben. Die verantwortliche Erzieherin könne derzeit nicht befragt werden, weil sie nicht im Dienst sei, sagte Gatzlaff weiter.

Auf dem Internetportal Facebook ist zu lesen, die verantwortliche Erzieherin sei zur fraglichen Zeit beim Mittagessen gewesen. Zuvor habe sie dem 15-jährigen Praktikanten die Aufsicht über die Kinder übertragen. Der Junge war mit der Aufgabe offenbar überfordert. Als das Mädchen nicht schlafen wollte, klebte er ihm einen Tesastreifen über den Mund. Ob das Kind gefesselt wurde, ist strittig.

Das Kind hatte sich erst am Abend den Eltern offenbart. Ihnen war eine roter Streifen um den Mund aufgefallen, bestätigte Dezernent Gatzlaff. Inzwischen habe es ein Gespräch mit den Eltern und der Leiterin der Kindertagesstätte gegeben. Der Junge habe sich entschuldigt. Sein Praktikum war nach dem Bekanntwerden der Misshandlungen abgebrochen worden.


Fall ruft böse Erinnerungen wach


Dezernent Gatzlaff kündigte an, weitere Gespräche mit der verantwortlichen Erzieherin führen zu wollen. „Erst dann können wir Schlüsse ziehen, wie in dem Fall weiter verfahren wird“, erklärte er. Die Stadt sei sehr an der Aufklärung des Falles interessiert. Vor mehr als drei Jahren war Eberswalde in die Schlagzeilen geraten, weil Erzieherinnen bei ihrer Arbeit versagt hatten. Am 8. Dezember 2010 lösten sich zwei Kinder unbemerkt aus einer Gruppe – und fielen kurz darauf in eine halb zugefrorene Tongrube. Das Fehlen der Mädchen war den Erzieherinnen erst in der Kindertagesstätte aufgefallen. Eine der beiden Zweijährigen überlebte den Sturz, die kleine Lily starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Die verantwortlichen Erzieherinnen waren wegen fahrlässiger Tötung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Eine der Verurteilten ist inzwischen gestorben.

Als Folge des Unglücks ließ die Stadt Eberswalde ein Papier für die Kindertagesstätten in Trägerschaft der Kommune erarbeiten. In der Vorschrift „Handlungsrahmen zur Fürsorge und Aufsicht in Kindertagesstätten“ werden die Pflichten der Erzieherinnen beschrieben. Klar geregelt ist darin auch, dass Erzieherinnen ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen dürfen.

 

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