Lokführer beginnen längsten Streik

Ungeachtet aller Mahnungen: Die GDL macht ernst mit ihrem Rekordstreik

svz.de von
06. November 2014, 08:43 Uhr

Trotz wachsender Kritik aus Politik und Wirtschaft haben die Lokführer bei der Deutschen Bahn ihren bislang längsten Streik begonnen. Millionen Reisende und Pendler sind seit heute 2 Uhr betroffen. Schon gestern Nachmittag legten die Kollegen im Güterverkehr die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) will die Bahn bis zum frühen Montagmorgen lahmlegen. Der Konzern versuchte gestern vergeblich, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu bewegen. Auch Mahnungen der Bundesregierung änderten nichts am Streikbeginn.

„Wir werden zu keinem Zeitpunkt unsere Grundrechte an der Garderobe abgeben, um dem Arbeitgeber Deutsche Bahn einen Gefallen zu tun“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky und warf dem Konzern eine Blockade vor. Es ist bereits die sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt.

„Davon werden sicherlich Millionen Reisende betroffen sein“, sagte Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Mit Ersatzfahrplänen will er erreichen, dass im Fernverkehr ein Drittel der Züge nach Plan fahren kann. Im Regionalverkehr in Westdeutschland sollen es 40 bis 60 Prozent sein, im Osten Deutschlands aber nur 20 Prozent. Dort ist die GDL am besten organisiert. Gestern hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Lösungen aufgerufen, „die auch für uns als Land einen möglichst geringen Schaden haben“.

Die Gewerkschaft will einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter durchsetzen. Die GDL fordert zudem fünf Prozent mehr Einkommen und eine kürzere Wochenarbeitszeit. Die Bahn verurteilte den Streik als maßlos, respektlos und verantwortungslos.

Derweil könnten unter dem Streik auch Kunden der Bahn-Konkurrenz in Brandenburg leiden. „Es kann nicht vermieden werden, dass bestreikte Züge der Deutschen Bahn Gleise blockieren“, hieß es bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft in Berlin. Das könne zu Unregelmäßigkeiten führen, auch wenn die Odeg selbst nicht bestreikt wird.

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