zur Navigation springen

euruppiner Markt überfallen : Lidl-Räuber wohl Serientäter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Täter könnte Todesschütze sein. Staatsanwaltschaft Hannover möchte sich derzeit nicht äußern

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2015 | 10:02 Uhr

Mut bewies ein 32-jähriger Mann, als er sich vorige Woche jenem Räuber in den Weg stellte, der gerade den Neuruppiner Lidl-Markt überfallen hatte. Erst als der Täter mit einer Waffe drohte, machte der couragierte Kunde den Weg frei. Das könnte ihm das Leben gerettet haben. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem Räuber um einen Mann, auf dessen Konto bundesweit bis zu 30 Raubüberfälle auf Supermärkte gehen, nachweislich mindestens elf. Die Serie begann im Februar 2014. Der folgenschwerste Vorfall ereignete sich am 4. Dezember in Hannover-Stöcken. Dort hatte sich ein 21-jähriger Kunde – ähnlich wie in Neuruppin – nach einem Überfall dem Täter in den Weg gestellt und wurde von ihm erschossen. Ein weiterer Kunde war kurz darauf vor dem Geschäft angeschossen worden. Der Fall erregte bundesweit Aufsehen.

Beobachter beschreiben den Räuber als äußerst skrupellos. Der 40 bis 50 Jahre alte und etwa 1,70 Meter große Mann, der mit osteuropäischem Akzent spricht, machte mehrfach von einer Pistole Gebrauch. Die Kassiererin in Neuruppin schlug er mit der Waffe und schoss auf den Boden, nachdem die Frau nicht aufhören wollte zu schreien. Als er bei dem tödlichen Überfall in Hannover keine Beute machte, schlug er tags darauf erneut zu und trug dieselbe Kleidung.

Ob der Täter aus Neuruppin und Hannover ein und derselbe ist, möchte Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, nicht abschließend beurteilen. Gleichwohl sieht sie Parallelen zwischen den Taten – sowohl in der Vorgehensweise als auch bei der Personenbeschreibung. Näheres soll nun eine ballistische Untersuchung des in Neuruppin hinterlassenen Projektils ergeben. Das Ergebnis steht noch aus.

Als erwiesen gilt hingegen, dass ein Überfall am 21. Februar in Dessau auf des Konto des gesuchten Räubers geht. Laut Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin, sehen die hiesigen Ermittler auch einen Zusammenhang zwischen dem Überfall in der Fontanestadt und dem auf den Netto-Markt in Schwante am 20. Februar.

Gemein ist allen Fällen, dass der Täter stets kurz vor Ladenschluss Discounter und Supermärkte heimsucht, also dann, wenn die Geschäfte nahezu leer sind. Er legt dann nur kleine Dinge – etwa Getränke oder Schokoriegel – auf das Warenband und startet dann den eigentlichen Überfall. Den vermeintlichen Einkauf nimmt der Täter in der Regel mit, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Der Räuber flüchtete bisher immer zu Fuß oder mit einem Fahrrad. Gleichwohl wurde nie ein Rad gefunden, das ihm zugeordnet werden konnte. Es gab bereits verschiedenste Theorien zu der Überfallserie. So etwa, dass es sich um einen Binnenschiffer handeln könnte. Beweisen ließ sich das aber nicht.

Einmal dachte die Polizei sogar, den Täter ermittelt zu haben. Zeugen glaubten, in einem 48-Jährigen den Todesschützen aus Hannover wiedererkannt zu haben. Der Mann wurde festgenommen, aber kurz darauf wieder freigelassen. Grund: Er hatte sich zur Tatzeit im Ausland aufgehalten, eine Hausdurchsuchung konnte den Tatverdacht nicht erhärten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen