Aus dem Gerichtssaal : Letzter Akt im Leichendrama

In einer Oktobernacht 2012 stahlen Diebe drei Transporter in Hoppegarten. Was die Täter nicht wussten: In einem Fahrzeug befanden sich zwölf Leichen in Särgen.
In einer Oktobernacht 2012 stahlen Diebe drei Transporter in Hoppegarten. Was die Täter nicht wussten: In einem Fahrzeug befanden sich zwölf Leichen in Särgen.

Zwölf Tote in Hoppegarten gestohlen: Drahtzieher des Diebstahls zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

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04. Juni 2015, 15:54 Uhr

Ein Drama um zwölf Leichen, die sich in einem Transporter befanden, der im Oktober 2012 in Hoppegarten (Märkisch-Oderland) gestohlen und von den Dieben nach Polen gebracht worden war, hat nun auch juristisch ein Ende gefunden. Der Drahtzieher des Diebstahls, Tomasz Sporny, wurde am Mittwoch von einem Gericht in Posen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Vorfall hatte seinerzeit für erhebliche Schlagzeilen gesorgt. Die Leichen sollten eigentlich in ein Krematorium nach Meißen (Sachsen) gebracht werden, das Fahrzeug, in dem sie sich über Nacht befanden, war aber nicht speziell gekennzeichnet.

Acht Tage nach der Tat wurden die Särge mit den Toten in einem Waldstück bei Posen von der polnischen Polizei entdeckt. Einige der Leichen trugen noch Krankenhausbekleidung und zum Teil Kanülen. Vier Beteiligte an dem Diebstahl, bei dem insgesamt drei VW-Fahrzeuge gestohlen worden waren, konnten ebenfalls in Posen verhaftet werden. Sie wurden im Frühjahr 2013 zu Strafen zwischen elf Monaten und vier Jahren Haft verurteilt.

Tomasz Sporny, den die anderen Täter als Drahtzieher belastet hatten, war jedoch untergetaucht. Der damals 34-Jährige, der bereits wegen anderer Taten bekannt war, verfügte auch über eine Wohnung in Berlin, in der er jedoch nicht auftauchte. „Erst im Frühjahr 2014 kamen ihm unsere Ermittler in Schweden auf die Spur“, berichtet der Posener Staatsanwalt Michal Prauzinski, der einen Europäischen Haftbefehl für Sporny beantragt hatte. Spornys Freundin hatte im Prozess gegen die Mittäter ausgesagt, dass sie „öfter zum Shoppen nach Schweden“ fahren.

Vor genau einem Jahr wurde Sporny dann von polnischen und schwedischen Ermittlern in der Nähe von Stockholm verhaftet und nach Polen ausgeliefert. Seither befand er sich in Untersuchungshaft. Staatsanwalt Prauzinski hatte beim jetzigen Verfahren eine Strafe von sechs Jahren gefordert, Richterin Magdalena Adamiec blieb im Urteil nur ein halbes Jahr darunter. Der Vorfall habe das in vielen Teilen Europas bestehende „bedauerliche und beschämende Bild des Polen als Dieb erhärtet, der jedes Fahrzeug stiehlt, selbst wenn sich Särge mit Leichen darin befinden“, sagte sie in der Urteils-Begründung.

Die Leichen wurden drei Wochen nach dem Diebstahl nach Deutschland zurückgebracht und in Meißen eingeäschert. Betrugs-Ermittlungen gegen die sieben Bestattungsunternehmen wurden von den deutschen Behörden wegen Mangels an Beweisen eingestellt.

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