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Nach der Wende nicht abgeholt : Leben auf einem Armee-Schiff

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das 12,5 Meter lange und neun Tonnen schwere Stahlschiff wurde als Patrouillen-Boot für die russische Armee gebaut. Nach der Wende holte diese ihre Bestellung nicht mehr von der Warnow-Werft ab. Ende 2012 erwarben Angelika und Peter Burmeister das Boot für 17 000 Euro. Jetzt leben sie darauf.

Petersilie und Schnittlauch gedeihen prächtig. Angelika Burmeister begutachtet die Kulturen auf dem Sonnendeck ihres Hausboots und sieht zufrieden aus. Die 63-Jährige hat sich in Kisten einen Kräutergarten angelegt. Und auch sonst ist das neue Zuhause von Angelika und Peter Burmeister gut eingerichtet. Blumenkästen und Campingtisch, Grill und Heizofen, Toilette und Miniküche – alles, was das unkomplizierte Pärchen zum Leben braucht, hat es mittlerweile auf seinem Schiff. Ende 2012 erwarb es das 12,5 Meter Gefährt. Seither liegt es am Hafen am Fontanepark in Bad Saarow. Und zieht die Blicke der Passanten auf sich.

Denn anders als die umstehenden Yachten verfügt Burmeisters Schiff über einen armeegrünen Anstrich. Mehrere Suchscheinwerfer stecken auf einem Mast. Und im Bauch des Schiffes arbeitet ein zwei Tonnen schwerer 160 PS-Motor. Das Paar besitzt ein original russisches Patrouillenboot. „Die Russen hatten es in der Warnow-Werft bestellt, nach der Wende aber nicht mehr abgeholt“, sagt Dieter Herrmann, Mitarbeiter der BrauckmannBoote GmbH, die den Burmeisters das Schiff verkaufte.

Während dieses in den vergangenen Jahren gleich mehrere Besitzer hatte, fand sich anfangs kein Interessent. „Bis 2005 hat das Schiff an Land gelegen“, sagt Herrmann. „Dann wurde es nach Braunschweig verkauft“, weiß Peter Burmeister. Dort erhielt es den Namen „Malytho“ – Abkürzungen der Vornamen der Familienmitglieder. 2010 erwarb Annekathrin Bake das Schiff. Wenig später wollte sie es wieder loswerden und schaltete Dieter Herrmann ein. Zunächst stand es für 27 500 Euro zum Verkauf. Über die Zeit sank der Preis.

Bei 16 900 Euro schlugen Burmeisters zu. „So einen schnellen Käufer hatte ich noch nie“, erinnert sich Herrmann. Binnen 15 Minuten fiel die Entscheidung. „Das ist vom Stil her ein echtes Schiff, nicht so abgehackt hinten“, sagt Peter Burmeister. Der Elektronik-Ingenieur und seine Frau, eine ehemalige Kita-Leiterin, erwarben das Fahrzeug, um darauf zu wohnen. Zuletzt lebte das Paar auf einem alten Bauernhof im Hunsrück-Gebirge. Als die fünf Kinder groß waren, verkaufte es das Anwesen und reiste ein Jahr durch Island. „Das war immer mein Traum“, sagt Angelika Burmeister. Geschlafen wurde im Sommer im Landrover, im Winter im Gästehaus.

In Island entstand der Wunsch, ein Hausboot zu besitzen. Ende 2012 wurde er Realität. Seither liegt das Schiff in Bad Saarow im Hafen. Nach und nach erhielt es einen Ofen, Dämmung, neue Elektrik und vieles mehr. Am 1. Mai 2013 zog das Paar „fest“ dort ein. Anfang Mai geht es nun auf große Fahrt – die Oder entlang, die Elbe, Richtung Niederlande und Frankreich. „Das ist der Plan für die nächsten drei bis fünf Jahre“, sagt Peter Burmeister. Seine Frau lernt schon täglich Französisch am Computer, um gerüstet zu sein. Ansonsten sehen die Ruheständler alles gelassen. Die wichtige Post kommt an der „Meldeadresse“ bei den Kindern an und die Rente können sie überall abheben.

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