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Frauen in Technik-Jobs : Landwirtschaft aus Leidenschaft

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die 20-jährige Kerstin Ackermann aus Kerzlin ist Fachkraft für Agrarservice / Sie ziert das Dezember-Blatt eines Kalenders

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 17:58 Uhr

Vorn links fliegen die Funken, im Hintergrund steht eine große Landmaschine – und in der Mitte des Fotos arbeitet Kerstin Ackermann aus Kerzlin. Sie ist Brandenburgs Vertreterin in einem Kalender, in dem Frauen aus ganz Deutschland abgebildet sind. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in der Landwirtschaft arbeiten.

Es wird noch bis Dezember dauern, bis die 20-Jährige mit dem freundlichen, selbstbewussten Blick aus jenem Kalender herausguckt, den der Landmaschinenhersteller Krone und die Zeitschrift Maschinenringe zu Jahresbeginn aufgelegt haben – in einer Auflage von 25  000 Stück und fünf Sprachen. Dann wird auch ein langsam einsetzender Wandel in der Landwirtschaft ins Bewusstsein gerückt: Frauen arbeiten nicht nur im Büro und mit Tieren, sondern auch souverän mit Technik.

Kerstin Ackermann hat für sich zum Beruf gemacht, was viele Städter zumindest einmal probiert haben wollen – sie fährt Traktor. Leidenschaftlich gern und schon seit vielen Jahren. Ihre Eltern, Karl und Heidi Ackermann, arbeiten in Kerzlin als Lohnunternehmer mit eigenen Maschinen auf fremden Feldern. Als Siebenjährige sei sie in den Ferien immer mit ihrem Vater mitgefahren, erzählt Kerstin Ackermann. Mit 14 saß sie auch schon mal allein auf dem Traktor. Mit 15 ging sie in die Fahrschule und hatte mit 16 ihren Führerschein Klasse T in der Tasche. Auf der Landstraße durfte sie seitdem einen Traktor mit zwei Anhängern bei Tempo 40 fahren. Seit sie 18 Jahre alt ist, sind 60 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Die Reaktionen auf sie als Fahrerin seien durchaus gemischt. Einige wissen inzwischen, dass sie ihre Arbeit beherrscht. Öfter werde sie aber auch unterschätzt, weil man ihr die nötige Kraft nicht zutraut. „Man muss es zulassen, von beiden Seiten“, wirbt sie um Vertrauen. Seit letztem Sommer hat sie ausgelernt, bei ihrer Ausbildung in Güstrow war sie die einzige Frau. Jetzt ist sie Fachkraft für Agrarservice, so etwas wie ein Landwirt, allerdings mit mehr Wissen über Technik als über Tiere. Sie fährt Mähdrescher, kann Mist streuen und Gras schwaden und weiß über Dünger und Pflanzenschutzmittel Bescheid. Vor der Ausbildung hatte sie ihr Abitur 2012 am Evangelischen Gymnasium in Neuruppin gemacht – zu Zeiten des 13 Jahre dauernden Hochschulreife reichten ihr, wie auch anderen, zwölf Jahre, weil sie die achte Klasse übersprang, indem der Lernstoff auf die siebte und neunte Klasse verteilt wurde.

Dass Kerstin Ackermann im Krone-Kalender, der bereits in der siebenten Auflage erfolgreiche und tüchtige Frauen in der Landwirtschaft zeigt, zu sehen ist, ist ihrem Engagement zu verdanken. Sie bewarb sich wie rund 200 andere Frauen zwischen 20 und 60 Jahren, wurde von einer Jury ausgewählt und im August zum Fotoshooting nach Spille eingeladen. Die Entscheidung für die 20-Jährige sei dabei schnell gefallen. „Sie steht für junge Frauen, die keine Angst mehr vor der Technik haben“, sagt Katharina Geiger, Chefredakteurin der Zeitschrift Maschinenringe und Jurymitglied. Beeindruckt habe Ackermanns Leidenschaft und Begeisterung. „Sie wird sicher ihren Weg gehen.“

Und der Weg scheint vorgezeichnet, zumal ihre beiden Schwestern Sabrina und Andrea beruflich abseits der Landwirtschaft Fuß fassten. Kerstin Ackermann will später ihren Meister machen und den elterlichen Betrieb mit zwölf Fahrern fortführen. „Das wäre schön, wir arbeiten darauf hin“, sagt sie und lächelt. Nur das, was im Büro zu tun sei, das müsse man ihr noch einmal genauer zeigen.

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