Ministerium gegen Experimente vor der Kreisreform : Land will kein neues Reservat

Großschutzgebiete in Brandenburg  Grafik: Jörn Sandner
Großschutzgebiete in Brandenburg Grafik: Jörn Sandner

Seit mehreren Jahren bemüht man sich im Südosten des Landes um die Errichtung eines neuen Biosphärenreservates. Aber das Umweltministerium will vor der Kreisreform und der eventuellen Kommunalisierung der Großschutzgebiete nichts mehr davon wissen.

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22. Juli 2015, 10:00 Uhr

Seit mehreren Jahren bemüht man sich im Südosten des Landes um die Errichtung eines neuen Biosphärenreservates. Ein entsprechendes Konzept liegt vor. Aber das Umweltministerium will vor der Kreisreform und der eventuellen Kommunalisierung der Großschutzgebiete nichts mehr davon wissen.

So verfügt Brandenburg derzeit über 15 Großschutzgebiete. Ganz oben in der Wertung steht der Nationalpark Unteres Odertal, gefolgt von den UNESCO-Biosphärenreservaten Schorfheide-Chorin, Elbtalaue und dem Spreewald. Der Rest sind Naturparke, in denen der Anteil unter Schutz gestellter Flächen nicht ganz so hoch ist. Seit Jahren bemühen sich die Kreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald darum, die auf ihren Flächen liegenden Naturparke Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken zu einem Biosphärenreservat zu vereinen.

In Potsdam reagierte man stets zurückhaltend auf diese Ambitionen. Zum einen weil man sich der Akzeptanzprobleme erinnerte, die es in anderen Schutzgebieten bei Landnutzern und in der Bevölkerung gab. Zum anderen werden an ein Biosphärenreservat ganz andere personelle Anforderungen gestellt als an Naturparke. Das hätte nicht der Linie des Landes entsprochen, im Umweltbereich Stellen abzubauen.

Deshalb wurde den Aktivisten in der Lausitz beschieden: Ein neues Reservat müsse in der Region von unten wachsen und es müsse ein Konzept erstellt werden. Das liegt nun vor. Der Förderverein des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft mit dem Landrat von Elbe-Elster, Christian Jaschinski, als Vorsitzendem gab das Konzept bei einem Luckauer Landschafts-Planungsbüro in Auftrag. An der Finanzierung beteiligte sich unter anderem ein Mineralwasserhersteller der Region, der sich von einem Biosphärenreservat wohl gute Vermarktungschancen verspricht.

Udo Winde, Geschäftsführer des Vereins, betont, dass die Akzeptanz bei vielen Unternehmen in der Region groß ist. Auch mit den Landwirten seien Gespräche geführt worden, die Pläne stoßen allgemein auf Unterstützung. Übrigens wird in der Region nicht der Begriff Biosphärenreservat verwende – Reservat klinge zu restriktiv, heißt es. Vielmehr ist von Biosphärengebiet oder nur der Biosphäre die Rede.

Das Konzept sieht vor, dass die beiden Naturparke zusammengefasst werden. Eine ursprüngliche Einbeziehung in das benachbarte Biosphärenreservat Spreewald wurde verworfen. Die Landschaften seien zu unterschiedlich, erklärte Winde.

Auch auf andere Bedenken aus Potsdam gibt es im Konzept eine Antwort. Die für den höheren Schutzstatus geforderten Totalreservate könnten auch dadurch entstehen, dass Naturschutzvereine ihre Flächen zur Verfügung stellen würden. Winde geht zudem davon aus, dass der Bedarf an Personal sich durch die Zusammenlegung der beiden jetzigen Schutzgebietsverwaltungen ergeben würde.

Der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade, äußert daran jedoch Zweifel und befürchtet Mehrkosten, die auf sein Haus zukommen. Unmissverständlich beschreibt er die Linie des Ministeriums: Jetzt keine Experimente. Im Zuge der Verwaltungsreform stehen die Großschutzgebiete außer dem Nationalpark auf der Prüfliste. Sie könnten den Kreisen übertragen werden. Schade betont, dass die Naturparke ohnehin eine freiwillige Leistung des Landes seien und eher zum Aufgabenspektrum der Kreise gehörten. Jede Personalaufstockung oder Statuserhöhung könnte zu späteren Geldforderungen der Landkreise führen. In der Beratung der Hausleitung des Umweltministeriums vom 29. Juni hieß es deshalb, dass die Niederlausitzer Pläne keinerlei Unterstützung erfahren werden und die Diskussion auch in den Naturparken zu beenden sei.

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