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„Maskenmann“-Prozess: : Kripo-Chef bestreitet Anweisungen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach der Entführung eines Managers in Ostbrandenburg im Jahr 2012 haben die Beamten nach Aussage des Kripo-Chefs keine Anweisungen von höherer Stelle erhalten.

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erstellt am 28.Jan.2015 | 14:04 Uhr

Nach der Entführung eines Managers in Ostbrandenburg im Jahr 2012 haben die Beamten nach Aussage des Kripo-Chefs keine Anweisungen von höherer Stelle erhalten. „Ich habe niemandem Anweisungen gegeben“, sagte der Leiter Kriminalpolizei in der Polizeidirektion Ost gestern im Prozess gegen den mutmaßlichen „Maskenmann“ vor dem Landgericht Frankfurt (Oder).

Beamte hatten Zweifel an der Schilderung des Entführungsopfers geäußert und fühlten sich bei ihren Ermittlungen behindert. Sie hätten nicht in Richtung einer vorgetäuschten Straftat ermitteln dürfen, kritische Fragen dazu seien nicht zugelassen worden. Die Instruktion sei von Vorgesetzten gekommen.

Der Kripo-Chef berichtete im Zeugenstand, die Ermittler hätten diverse Varianten der Entführung diskutiert, auch die einer vorgetäuschten Tat. Dafür habe es keine Anhaltspunkte gegeben, sagte er.

In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft sei deshalb nicht in diese Richtung ermittelt worden. „Das war nicht meine Entscheidung.“

Laut Anklage hatte ein Maskierter den Banker mit Waffengewalt aus seiner Villa geholt. Über einen See soll er das Opfer zu einer Schilfinsel geschleppt und dort mit Klebeband gefesselt haben. Das Opfer konnte sich nach zwei Nächten unter freiem Himmel befreien und fliehen.

Der Angeklagte, ein 47-jähriger Berliner, soll ein Jahr zuvor auch einen Anschlag auf eine Millionärsfamilie in Ostbrandenburg verübt haben. Der Mann schweigt seit Prozessbeginn. Er ließ erklären, er sei nicht der Gesuchte.

Der Kripo-Chef gehörte zu den ersten Beamten, die damals Kontakt mit dem Entführungsopfer hatten. Der Manager sei sehr euphorisch und nervös gewesen, sagte der Zeuge. Er habe kaum einen Satz zu Ende gebracht. Es schien demnach, als habe er ein schweres traumatisches Erlebnis hinter sich. „Man konnte den Stolz spüren, dass er sich selbst befreien konnte, durch Konzentration auf das Wesentliche.“ Er habe beim Opfer ein Zittern beobachtet - wie bei einem Schauer über den Rücken.

Der Kriminaldirektor betonte aber auch, dass es Lücken im Tatablauf gegeben habe. „Es gab Eckdaten, die wir nicht hatten“, sagte er. Als Beispiele nannte er: Wie lange war das Opfer im Wasser, wie war die Unterlage beschaffen auf der Schilfinsel. Dennoch: „Für mich gab es keine Zweifel.“ Dem Angeklagten werden versuchter Mord, versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung vorgeworfen. Der Prozess wird am 12. Februar fortgesetzt.

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