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Gesundheitsämter registrieren Ausbreitung : Krätze in Kitas und Pflegeheimen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nachdem Fälle von Krätze in Brandenburg gemeldet wurden, warnen Ärzte vor einer Ausbreitung der Milben in Gemeinschaftseinrichtungen. Betroffen sind vor allem Pflegeheime und Kindergärten.

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 10:58 Uhr

Immer wieder stellen sich Patienten, die von starkem Juckreiz geplagt werden, in der Oranienburger Praxis von Hautarzt Alexander Friedrich vor. Häufig lautet seine Diagnose dann Skabies, wie Krätze im Fachjargon genannt wird. „Diese Fälle nehmen zu“, sagt der Landesvorsitzende des Verbandes Deutscher Dermatologen. Wöchentlich werde er damit konfrontiert.

Dieser Trend wird auch vom Verband der Ersatzkrankenkassen bestätigt, wo sich zuletzt entsprechende Nachfragen häuften. Allerdings stellt sich die Situation in Brandenburg unterschiedlich dar. So teilten unter anderem die Behörden in Oder-Spree und Märkisch-Oderland mit, dass in diesem Jahr mehr Krätze-Erkrankungen gemeldet wurden. „Kindergärten und Seniorenheime sind Hotspots“, sagt der Amtsarzt von Märkisch-Oderland, Steffen Hampel. Die winzigen Milben, die die Krankheit auslösen, werden vor allem über Hautkontakt übertragen. Durch Kratzen kann es zu weiteren Infektionen kommen.

Im Kreis Oder-Spree wurden seit Jahresbeginn aus einer Schule, einem Kindergarten und einer Wohngruppe einzelne Krätze-Fälle gemeldet, aus einem Seniorenheim mehrere Erkrankungen. Im Barnim wurden seit Januar vier Erkrankungen erfasst. In der Uckermark gab es in diesem Jahr bislang fünf und im vergangenen Jahr 53 Fälle. Eine zeitweilige Schließung von Einrichtungen war aber nicht notwendig. Landes- und bundesweite Statistiken zu der Krankheit fehlen, da Skabies nicht meldepflichtig ist, allerdings informieren betroffene Einrichtungen die Gesundheitsämter. „Es ist für Ärzte auch nicht einfach, Krätze zu erkennen“, sagt der Charité-Forscher Hermann Feldmeier. „Sie wird leicht mit Ekzemen verwechselt.“ Allerdings registrieren Krankenkassen einen Anstieg bei der Verschreibung von Skabies-Mitteln: 80  000 Mal wurde eine entsprechende Creme nach Angaben der AOK im Jahr 2012 verordnet.

Problematisch ist nach den Erfahrungen des Krätze-Experten Feldmeier zudem, dass von Reisenden eingeschleppte Milben bereits Resistenzen gegen Wirkstoffe aufwiesen. Angesichts von Schätzungen, die von 300 Millionen Betroffenen weltweit ausgehen, spricht er von einer „Geißel der Menschheit“. Der Dermatologenverband fordert, Einrichtungen besser beraten. „Oft wird hilflos agiert“, sagt Sprecher Ralf Blumenthal. Auch der Informationsfluss zwischen Heimen oder Schulen und Angehörigen sei verbesserungswürdig. Hautarzt Friedrich erkennt auch Defizite bei der Behandlung. „Viele Familienangehörige kommen nicht in die Praxis.“ Aber nur so könne die Ausbreitung verhindert werden.

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