Keine Plage, aber Population gestiegen: : Krähen über Brandenburg

Dass die Krähen größere Siedlungen bevölkern, liege auch daran, dass sich in der Landwirtschaft viel geändert hat. Zwischen 1995 und 2009 stieg die Population um sechs Prozent.
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Dass die Krähen größere Siedlungen bevölkern, liege auch daran, dass sich in der Landwirtschaft viel geändert hat. Zwischen 1995 und 2009 stieg die Population um sechs Prozent.

„Sie gehen den Weg des geringsten Widerstandes“, sagt Heidrun Schöning, Pressesprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Brandenburg. Deswegen suchen und finden Rabenvögel ihr Futter in den Städten in Brandenburg und Berlin.

Es ist fast ein bisschen so wie in Alfred Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“. Tausende von Krähen sind in diesen Tagen vor allem abends in Brandenburg und Berlin zu sehen. Den meisten Leuten sind sie unheimlich. Grundlos, wie Nabu-Experten finden.

„Sie gehen den Weg des geringsten Widerstandes“, sagt Heidrun Schöning, Pressesprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Brandenburg. Deswegen suchen und finden Rabenvögel ihr Futter in den Städten in Brandenburg und Berlin. Dort jedoch sind sie bei vielen unbeliebt: „Die Leute fühlen sich durch die Krähen belästigt“, meint Torsten Langgemach von der staatlichen Vogelschutzwarte Buckow (Märkisch-Oderland). Die Vögel hinterlassen eben nicht den besten Eindruck. „Sie sitzen an Aas, was als furchtbar angesehen wird“, so Langgemach. Selbst junge Hasen zählen zum Speiseplan der Krähen. Der Experte versichert indes: „Vor einer Krähe muss man keine Angst haben.“

Laut Schätzungen gibt es in Brandenburg und Berlin 20 000 bis 30 000 Brutpaare bei den grau-schwarzen gefiederten Nebelkrähen, bei den besonders geschützten Saatkrähen sind es dagegen nur 1630 bis 1800 Paare. Dabei sind die Vögel vor allem in Siedlungen anzutreffen, weil sie dort leichter an Nahrung gelangen.

Nach den Erkenntnissen von Langgemach haben sich Krähen in den vergangenen Jahren „nicht explosionsartig vermehrt“. So wurde eine Zunahme der Population zwischen 1995 bis 2009 von lediglich sechs Prozent registriert. Dass die Krähen in diesen Tagen besonders auffielen, liege daran, dass sie nun in Gruppen zusammenfinden, erklärt der Ornithologe.

Auch Anja Sorges, Geschäftsführerin des Nabu Berlin, kann keine Krähenplage erkennen. Wenn die Felder auf dem Land abgeerntet seien, ziehe es sie in die Städte. „Der Mensch ist unordentlich“, so Sorges. Die Vögel finden oft auch im Müll ausreichend Nahrung. Dass die Krähen größere Siedlungen bevölkern, liege auch daran, dass sich in der Landwirtschaft viel geändert hat. So werden die Felder eher umgebrochen, dadurch fehlt eine wichtige Nahrungsquelle.

Vor allem im Winter zählen Krähen auch zu unerwünschten Gästen auf Weihnachtsmärkten. Sorgen müssten sich die Besucher allerdings nicht machen, meint Sorges. Gelegentliche Attacken auf Menschen würden – wenn überhaupt – nur im Frühjahr beobachtet, während der sogenannten Ästlingsphase. Dann verteidigen die Elternvögel ihren meist auf Ästen sitzenden Nachwuchs vehement. Ein Massenangriff auf Menschen, wie er im berühmten Streifen von Alfred Hitchcock „Die Vögel“ dargestellt wird, ist aus Sicht der Nabu-Geschäftsführerin undenkbar: „Da hat Hitchcock uns ziemlichen Blödsinn erzählt“.

Bei den Bürgern sind die schwarzen Raben und Krähen mit ihrer vermeintlich furchtbaren, krächzenden Stimme dennoch nach wie vor unbeliebt. Aberglaube spielt hierbei aus Sicht von Experten eine Rolle, ebenso Abneigung gegenüber den Tieren, die sich nur schwer verscheuchen lassen.

Andererseits sind Krähen sehr intelligent. Nüsse lassen sich die Tiere in den Städten knacken, in dem sie sie auf einen Zebrastreifen platzieren und warten, bis ein Auto darüber fährt, erklärt Helmut Brücher vom Landesvorstand des Nabu. Wenn er ältere Leute trifft, erzählen sie ihm, dass man früher im Herbst, wenn die Krähenschwärme kamen, die Wäsche hereinholte, damit sie nicht verschmutzte. „Der Himmel hat sich früher regelrecht verdunkelt.“ Von diesem Zustand sei man heut weit entfernt. Maren Tönisen

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