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Kommunen tragen Millionenkosten

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Konflikte und schwierige Lebensumstände prägen oft das Leben der Asylbewerber / Ein Betreuer auf 120 Flüchtlinge

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 11:15 Uhr

Jedes Jahr kommen mehr Menschen aus Krisen- und Armutsländern in die Mark. Trotz Unterstützung vom Land tragen Brandenburgs Kommunen einen Großteil der Unterbringungskosten in Millionenhöhe. Dass alle Asylbewerber in Großunterkünften wie Kasernen gut aufgehoben sind, bezweifelt jedoch Gabriela Jaschke vom brandenburgischen Flüchtlingsrat. „Nur etwa 30 Prozent der Flüchtlinge werden in Wohnungen untergebracht“, sagt Jaschke.

Jedem Flüchtling stünden zwar sechs Quadratmeter zu, doch durch die Unterbringung in Großräumen mit zum Teil fremden Personen litten die nicht selten traumatisierten Menschen. Dabei blieben Konflikte unter den Bewohnern nicht aus, schlichten müssten diese die zuständigen Sozialpädagogen. „Da auf 120 Flüchtlinge ein Betreuer kommt, ist das oft schwierig“, so Jaschke.

Zuletzt hatte kurz vor der Landtagswahl ein geplantes Flüchtlingswohnheim in einer leer stehenden Kaserne in Doberlug-Kirchhain für Aufregung gesorgt. Sie wird als möglicher zweiter Standort der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt geprüft.

Unmut gegen die Fremden gebe es in Brandenburg kaum, das bestätigt auch Wolfgang Brandt: „Versuche rechtsextremistischer Kräfte, die wachsende Zahl der Asylbewerber zum Ausgangspunkt einer breiten ausländerfeindlichen Kampagne zu machen, sind in Brandenburg gescheitert.“

Einige Unterkünfte sind speziell auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge ausgelegt. So gibt es in Potsdam ein barrierefreies Wohnheim mit wohnungsähnlichen Unterkünften. „Das Heim bietet 180 Menschen Platz“, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Eine zweite Unterkunft sei eine große Wohnung mit 13 Plätzen speziell für traumatisierte und besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder. In der Haeckelstraße leben die Flüchtlinge laut Brunzlow in einem Wohnungsverbund Tür an Tür mit den Potsdamern. „Auch im Staudenhof in der Innenstadt funktioniert das Konzept des Wohnungsverbundes sehr gut“, so der Sprecher. Die Unterbringungskosten seien im Potsdamer Haushalt eingeplant.

Als weitere Einrichtung werde Anfang 2015 ein Wohnungsverbund in der Grotrianstraße am Stern eröffnet. „Die Suche nach weiteren Unterkünften gestaltet sich in Potsdam aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes schwierig“ so Jan Brunzlow. Insgesamt lebten in Potsdam derzeit 336 Flüchtlinge, fast doppelt so viele wie noch 2010.

Auch im Landkreis Havelland steigt die Zahl der Flüchtlinge kontinuierlich. „Vor sechs Jahren lebten noch 94 Asylbewerber im Kreis, heute sind es schon 370“, informiert eine Kreissprecherin. Ihrer Prognose zufolge, werden bereits Ende des Jahres 535 Asylbewerber im Havelland leben.

Für die Forderung des Flüchtlingsrats nach kleineren Wohnunterkünften hat die stellvertretende Geschäftsführerin des brandenburgischen Städte- und Gemeindebundes, Monika Gordes, kein Verständnis. „Die Kommunen sind froh, wenn sie alle Flüchtlinge angemessen unterbekommen“, sagt sie. Die Investitionspauschale von rund 2300 Euro sowie die Jahreserstattungspauschale von über 9000 Euro, die die Kommunen pro Platz vom Land erhalten, reichen Gordes zufolge nicht aus. „Allein die kreisfreien Städte geben pro Jahr rund zehn Millionen Euro für die Flüchtlingsunterbringung aus“, so Gordes.

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