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Meist ohne finanzielle Konsequenzen: : Klinik-Rechnungen oft falsch ausgestellt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

„Das ist nicht in Ordnung, hier muss der Gesetzgeber nachbessern.“ Lege man die 300 Euro zugrunde, gehe es um eine jährliche Summe von 36 Millionen Euro an Verwaltungsausgaben, so Wolfgang Metschurat.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 22:00 Uhr

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Berlin Brandenburg (MDK) hat im vergangenen Jahr mehr als 120 000 Krankenhausrechnungen als fehlerhaft zurückgewiesen. In 48 Prozent der überprüften Fälle wurden demnach von Kliniken Leistungen falsch abgerechnet.

Wie der MDK gestern bei der Vorstellung seines Jahresberichts für 2013 erklärte, überprüfe man jedes Jahr auf Vorschlag der Krankenkassen rund zehn Prozent aller Klinikrechnungen, also rund 253 000 Belege. In den monierten Fällen „waren die medizinischen Voraussetzungen für eine Leistungsgewährung nicht erfüllt“, so MDK-Geschäftsführer Axel Meeßen. „Die zur Prüfung vorgelegten Rechnungen mussten korrigiert werden.“

In welchem Maß hinter der laut MDK seit Jahren konstant hohen Fehlerquote menschliches Versagen oder der gezielte Versuch zu tricksen steckt, wollte Meeßen nicht sagen. Er nannte jedoch beispielhaft Behandlungen, bei denen Kliniken immer wieder falsch abrechnen würden. So gebe es bei der Ermittlung des Gewichts von Frühchen zuweilen Unregelmäßigkeiten. Je leichter das Baby, umso mehr Geld können die Häuser den Kassen in Rechnung stellen.


Falsche Rechnungen für Kliniken oft folgenlos


Auch die Kassen selbst beklagen immer wieder, dass ihnen Jahr für Jahr hohe Kosten durch Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen entstehen. Die Barmer GEK in Berlin-Brandenburg zum Beispiel verzeichnete 2013 nach eigenen Angaben 202 Fälle, ein Anstieg um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Der jährliche Schaden soll sich auf rund 180 000 Euro belaufen.

Wolfgang Metschurat, Chef des MDK-Verwaltungsrats, kritisiert, dass die 120 000 falschen Rechnungen für die Kliniken meist finanziell ohne Folgen bleiben würden. „Erweist sich der Verdacht auf eine falsche Rechnung als unbegründet, erhalten die Kliniken von den Kassen 300 Euro Aufwandsentschädigung. Wird der Verdacht aber bestätigt, müssen die Krankenhäuser an die Kassen nichts zahlen“, erklärte Metschurat. „Das ist nicht in Ordnung, hier muss der Gesetzgeber nachbessern.“ Lege man die 300 Euro zugrunde, gehe es um eine jährliche Summe von 36 Millionen Euro an Verwaltungsausgaben, so der Verwaltungsratschef.

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