Wassertourismus : Klagen über Wachstumsschmerzen

Branche erwirtschaftet 200 Millionen Euro Jahresumsatz / Anbieter fordern mehr Investitionen in Schleusen

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11. August 2015, 17:35 Uhr

Auf den Brandenburger und Berliner Seen, Kanälen und Fließen herrscht Hochsaison. Bei tropischen Temperaturen sind derzeit Tausende Touristen mit Kanus oder Booten unterwegs, drängen sich die Urlauber auf Fahrgastschiffen, sind die Marinas weitgehend ausgebucht.

Der Wassertourismus wird aber auch immer mehr zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor. Eine gestern veröffentlichte Studie im Auftrag der Brandenburger und Berliner Industrie- und Handelskammern (IHK) beziffert den Gesamtbruttoumsatz „im größten Wassersportrevier Europas“ auf knapp 200 Millionen Euro pro Jahr.

Die Analysten der Firma „Projekt M“ zählten in der Region knapp 600 Anbieter, darunter 305 Sportboothäfen, 65 Fahrgastschiffbetreiber, 83 Verleiher von Charterbooten und 128 Kanu-Anbieter. Durchschnittlich beschäftigen die Betriebe 5,2 bis 7,7 Mitarbeiter. Auf Fahrgast- und Ausflugsschiffen sind laut Hochrechnung pro Jahr fast drei Millionen Passagiere unterwegs, davon etwa 2,2 Millionen in Berlin und 800  000 in Brandenburg. Hinzu kommen rund 100  000 Charterboottouristen und etwa 350 000 Mietkanuten. „Diese positiven Ergebnisse wollen wir nutzen, um die Bedeutung der Branche zu stärken“, erklärte Barbara Nitsche, Tourismusexpertin der IHK Potsdam.

Von einer „Marktsättigung“ ist die Branche noch weit entfernt. „Die Zeichen stehen länderübergreifend weiter auf Wachstum“, heißt es in der Studie, die aber auch wichtige Probleme auflistet, die dem entgegenstehen.

Insbesondere kritisieren die Autoren, dass das Bundesverkehrsministerium die Wasserstraßen allein anhand der Gütertonnage klassifiziere und dabei die wirtschaftliche Bedeutung durch die touristische Nutzung ignoriere. „Jeder zweite Betrieb der Fahrgastschifffahrt hat in der Befragung zum Ausdruck gebracht, dass diese Reformvorstellungen die Geschäftsaussichten maßgeblich beeinträchtigen, bei den Häfen und den Bootscharterbetrieben sagen dies fast 40 Prozent der Anbieter“, heißt es in der Studie. Wenn für Gewässer ohne Güterschifffahrt künftig keine Bundesmittel mehr bereitgestellt würden, bestehe die Gefahr, dass baufällige Schleusen geschlossen werden. Das wäre für viele Anbieter existenzbedrohend. Auch die eingeschränkten Schleusenöffnungszeiten und lange Genehmigungsverfahren sind Kritikpunkte.

Darüber hinaus beklagen auffallend viele Betriebe, dass sie nicht ausreichend Personal finden. Das liege vor allem an „branchenspezifischen Arbeitsbedingungen“ – also der Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Überdies wird bemängelt, dass es zu wenige Anlegeplätze gibt, wobei hier ausdrücklich die Region Ostbrandenburg genannt wird.

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