Hilfsorganisationen suchen Nachwuchs : Keiner will mehr Retter sein

wasserwacht

Derzeit herrscht Hochbetrieb für Rettungsschwimmer. Doch die Hilfsorganisationen im Land haben zunehmend Probleme, ehrenamtliches Personal für diese Aufgabe zu finden.

svz.de von
06. Juli 2015, 22:00 Uhr

Derzeit herrscht Hochbetrieb für Rettungsschwimmer. Doch die Hilfsorganisationen im Land haben zunehmend Probleme, ehrenamtliches Personal für diese Aufgabe zu finden. Nur ein Fünftel der 250 offiziellen Badestellen wird bewacht.

Angesichts des noch zu erwartenden Ansturms auf die Strandbäder planen die Rettungsschwimmer vielerorts Zusatzschichten ein. Dabei verfügen die drei mit der Wasserwacht beauftragten Hilfsorganisationen über insgesamt 1600 ehrenamtliche Kräfte, die jeweils mehrfach in der Saison eingesetzt werden. Allerdings sei es zunehmend schwieriger, Personal für die Wasserrettung zu finden, sagt Lee Schumann, Bereichsleiter beim brandenburgischen Deutschen Roten Kreuz. „Wir stoßen an unsere Grenzen und suchen daher dringend Nachwuchs.“ Rund 5000 Einsätze hat die DRK-Wasserwacht 2014 geleistet.

Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beklagt ähnliche Probleme. Zwar würden sich nach wie vor Jugendliche zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen, stünden nach der Ausbildung oder dem Studium aber nicht mehr zur Verfügung, erklärt Robert Büschel, Sprecher des DLRG-Landesverbandes, der allein 21 Stationen in Brandenburg betreibt.

Die Arbeitsbelastung der Lebensretter ist jetzt schon hoch: „Die Zahl der Einsätze auf den Gewässern steigt seit Jahren“, erklärt Büschel. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass sich viele Menschen beim Schwimmen überschätzen. „Das Risiko eines Unfalls ist vor allem an wilden Badestellen am größten“, betont er. 2014 hatte die DLRG knapp 70 Menschen vor dem Ertrinken gerettet, für 17 kam jedoch jede Hilfe zu spät. Auch in den vergangenen Wochen ereigneten sich tragische Todesfälle. So wurde eine 22-jährige Studentin von Rettungskräften aus dem Beetzsee (Potsdam-Mittelmark) geborgen und wiederbelebt. Zehn Tage später starb die junge Frau in der Klinik. Vor wenigen Tagen ertrank ein 77-jähriger Mann beim Baden im Nymphensee bei Brieselang (Havelland).

Büschel appelliert an Badegäste, auf die eigene Kondition und den Gesundheitszustand zu achten. Zudem sollten Eltern immer in der Nähe der Kinder bleiben. „Die meisten haben nur einen Seepferdchen-Kurs absolviert, damit können sie sich gerade über Wasser halten“, sagt der DLRG-Sprecher. Hinzu komme das Problem, dass Notlagen von anderen Badegästen nicht immer wahrgenommen werden. „Viele gehen einfach unter, ohne zu schreien.“

Ralf Glathe, Rettungsdienstkoordinator beim Arbeiter-Samariter-Bund, fordert vom Land und den Kommunen finanzielle Unterstützung für die Arbeit der Rettungsschwimmer. „Um Touristen wird geworben, aber für die Sicherheit wird nichts getan“, sagt er. Die Hilfsorganisationen müssten die Kosten selbst aufbringen.


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