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Buga-Halle Potsdam : Keine Zukunft für die Tropenschau

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Potsdam sucht nach neuer Nutzung für die einstige Buga-Halle / Klassenzimmer statt Palmen

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2015 | 12:24 Uhr

Potsdam wird sich von einer seiner Attraktionen trennen. Seit 2002 zog die Tropenhalle in der Biosphäre Familien und Schulklassen aus dem Land und Berlin an. Auf einen grünen Zweig kam man damit jedoch nicht. Gebaut worden war das moderne Gebäude zwischen zwei Erdwällen zur Bundesgartenschau 2001. 29 Millionen Euro kostete der Hallenbau. 21,5 Millionen kamen aus den Fördertöpfen des Landes. Nach der Nutzung als Blumenhalle sollte die Biosphäre mit einer Tropenschau Wissen vermitteln und Besucherscharen jenseits der typischen Schlösserfreunde anziehen und letztlich zu einer längeren Verweildauer in Potsdam beitragen.

Die großen Hoffnungen mussten bald beerdigt werden. Nur im ersten Jahr erzielte man die angepeilten 300  000 Besucher mit einer aufwändig animierten Schau zu Fürst Pücklers Reisen in den Urwald. Seitdem muss die Stadt jährlich zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro in den laufenden Betrieb stecken. Weder Ausstellungen zu Dinosauriern noch zu Insekten oder Orchideen führten in die schwarzen Zahlen. Auf diese Weise hat es das Bauwerk 2014 in das „Schwarzbuch“ besonders gravierender Steuergeldverschwendungen gebracht.

Im Jahr 2017 läuft die Zweckbindung der Fördermittel aus. Der Weg für eine andere Nutzung oder einen Abriss ist dann frei. Eine jetzt vorgestellte Machbarkeitsstudie verwirft den Abriss. Das stadtteilprägende Gebäude im Potsdamer Norden soll erhalten bleiben. Die ursprünglich bevorzugte Idee, Kindergärten, Senioren- und Jugendeinrichtungen für das in den vergangenen Jahren stark gewachsene Wohngebiet in der Halle unterzubringen, fiel auch durch. Die Betriebskosten wären mit 17 Euro je Quadratmeter achtmal höher als bei einem modernen Neubau.

Den Stadtverordneten werden nun zwei Vorschläge unterbreitet. Zunächst soll das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben werden. Dass ein Investor die Tropenhalle mit ihren 40 Mitarbeitern mit dem alten Konzept weiterführt, gilt als unwahrscheinlich. Ob sich überhaupt ein Interessent findet, ist nicht ausgemacht. Die Sanierung der Gebäudehülle wird mit 5,7 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings könnte in einen Umbau noch einmal Fördergeld fließen. Ausgeschlossen werden soll eine Nutzung für den Einzelhandel oder alles, was das Wohnumfeld beeinträchtigen könnte, hieß es bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie weiter.

Findet sich kein Weißer Ritter für die Biosphäre, könnte Plan B umgesetzt werden. Potsdam muss aufgrund des Bevölkerungswachstums in den nächsten Jahren Schulen für 160 Millionen Euro bauen. Eine Gesamtschule könnte in die Halle einziehen. Eine Studie sieht Klassenzimmer aus Holz und Glas auf verschiedenen Ebenen vor. Die Haus-in-Haus-Bauweise würde einen ganzen Campus für 900 Schüler ermöglichen.

Die Kosten in Höhe von 26 Millionen Euro, so die Studie, lägen nur geringfügig über einem kompletten Neubau. Eine Verlängerung der jetzt 180 Meter langen und 50 Meter breiten Halle könnte auch noch die Unterbringung einer Dreifeldersporthalle ermöglichen.

Der Pferdefuß dieser Lösung: Die Betriebskosten würden jährlich 400 000 Euro über denen eines modernen Schulneubaus liegen. Ohnehin stehen noch Untersuchungen aus, wie das Raumklima in der Halle auch bei Sommertemperaturen ohne allzu große Kosten in einem angenehmen Bereich gehalten werden kann. Laut Potsdams Baubeigeordnetem Matthias Klipp (B90/Grüne) sollen weitere Untersuchungen Wege aufzeigen, wie die Betriebskosten noch gesenkt werden können.

Bis zum Ende dieses Jahres sollen die Angebote von Investoren gesichtet werden und die Stadtverordnetenversammlung sich dann für eine Variante zur Zukunft der jetzigen Tropenhalle entscheiden.

 

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