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Initiative fordert: : Keine Reserveantibiotika in der Tierhaltung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Ministerium für Justiz, Europaangelegenheiten und Verbraucherschutz begrüßte die Initiative: „Zu Recht erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher einen sorgsamen Umgang nicht nur mit Antibiotika sondern auch mit allen anderen Tierarzneimitteln“, sagte Sprecherin Maria Strauß.

Im Kieler Universitätsklinikum herrscht Ausnahmezustand. Eine Intensivstation wurde geschlossen, weil sich ein für geschwächte Patienten gefährliches Bakterium ausbreitet: Gegen den als Acinetobacter Baumanii bekannten Keim helfen viele herkömmliche Antibiotika nicht mehr. Die Bakterien haben sich angepasst, Resistenzen entwickelt. Die letzte Hoffnung der Mediziner sind Reserveantibiotika – spezielle Präparate, die in Krankenhäusern nur in größter Not verwendet werden dürfen.

In der Tiermast aber werden solche Präparate teils in großen Mengen eingesetzt. Darauf machten erst kürzlich Experten während der Anhörung der Volksinitiative zur Massentierhaltung im Potsdamer Landtag aufmerksam. Ihre Befürchtung: Die Zahl der Bakterien, gegen die auch diese Präparate nicht mehr helfen, könnte sich erhöhen. Im Bundesrat hat das Land Rheinland-Pfalz deswegen eine Gesetzesinitiative eingebracht, die den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast verbieten soll. „In Deutschland werden an Nutztiere fünf Mal mehr Antibiotika als an Menschen verabreicht“, sagte der rheinland-pfälzische Agrarstaatssekretär Thomas Griese (Grüne) am Rande der Grünen Woche in Berlin.

Der unsachgemäße Einsatz der Arzneimittel führe dazu, dass Krankheitserreger zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. „Wir wollen, dass bestimmte Antibiotika ausschließlich für Notfälle in der Humanmedizin zur Verfügung stehen und in der Tiermast ganz verboten werden.“ Neun Länder unterstützen sie bereits, darunter auch Sachsen-Anhalt. Brandenburg dagegen war am Sonntag noch nicht an Bord.

Die Grünen im Potsdamer Landtag wollten das ändern – und sprangen auf die Initiative ihres rheinland-pfälzischen Parteifreunds auf. „Reserveantibiotika haben in der Tiermast nichts zu suchen“, sagte ihr agrarpolitischer Sprecher Benjamin Raschke. Auch Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) sollte sich entsprechend positionieren. Doch das Potsdamer Agrarministerium bezeichnete sich auf Nachfrage dieser Zeitung als gar nicht zuständig. Ein Sprecher verwies auf das Ministerium für Justiz, Europaangelegenheiten und Verbraucherschutz von Helmut Markov (Linke) - denn zum Verbraucherschutz gehöre auch die Veterinärmedizin.

Dort begrüßte man gestern ebenfalls auf Nachfrage die Initiative aus Rheinland-Pfalz. „Zu Recht erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher einen sorgsamen Umgang nicht nur mit Antibiotika sondern auch mit allen anderen Tierarzneimitteln“, sagte Sprecherin Maria Strauß. Das Brandenburger Ministerium schließe sich daher der Forderung an, Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten beziehungsweise einzuschränken. Womit die Grünen in Brandenburg offenbar offene Türen eingerannt haben – und aus neun Bundesländern dann am Ende zehn geworden sind.


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