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Kein Tierasyl : Keine Gnade für den Gnadenhof

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landkreis Oberhavel macht Tierasyl nach Beschwerden von Nachbarn wegen fehlender Genehmigung dicht

Seit rund fünf Jahren kümmern sich Tierschützer ehrenamtlich auf dem Lehnitzer Gnadenhof in Oranienburg um behinderte, misshandelte und ausgesetzte Tiere. Doch nun haben sich Nachbarn über Lärm und Gestank beschwert und die Bauaufsicht des Landkreises die weitere Nutzung des Hofes untersagt.

„Wir sind obdachlos“, teilten die Gnadenhof-Betreiber auf ihrer Internet-Seite und bei Facebook mit. „Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, wir müssen weg.“ Acht Wochen haben die Gnadenhof-Leute nach eigenen Angaben noch Zeit, ihr direkt am Havelufer gelegenes Grundstück am Grünen Weg zu räumen. Die Tiere, unter ihnen auch Affen und Schildkröten, seien bereits bei ehrenamtlichen Helfern und Mitarbeitern untergekommen, heißt es im Internet. Auf dem Hof wollte sich Anfang der Woche niemand weiter äußern. Gnadenhof-Chefin Sandra Schulz war für Nachfragen nicht zu erreichen. Wie viele Tiere zuletzt auf dem Grundstück lebten, ist unklar. In früheren Jahren schwankten sie zwischen 50 und 300.

Der Sprecher der Kreisverwaltung, Ronny Wappler, bestätigte auf Nachfrage die Nutzungsuntersagung durch die untere Bauaufsichtsbehörde, die den Gnadenhof-Betreibern am vergangenen Donnerstag ausgesprochen worden sei. Der Landkreis begründet das Nutzungsverbot mit einer fehlenden Baugenehmigung für die in einem Wohn- und Erholungsgebiet gelegenen Tierauffangstation.

Der Gnadenhof, der öffentlich nie ein Hehl daraus gemacht hatte, gehandicapten Tieren ein Zuhause auf Lebenszeit zu bieten, war laut Wappler bereits im August vergangenen Jahres ins Visier der Behörden geraten.


Schließung konnte einst abgewendet werden


Bei einer Überprüfung des Grundstücks sei damals aber keine größere Anzahl von Tieren festgestellt worden. Außerdem hätten die Betreiber seinerzeit schriftlich erklärt, auf dem Gnadenhof lediglich eine Erstversorgung verletzter und ausgesetzter Tiere anzubieten, was aus bauplanungs- und tierschutzrechtlicher Sicht kein Problem gewesen sei. Das Verfahren gegen den Gnadenhof sei deshalb seinerzeit auch eingestellt worden.

Nun ist die Behörde aber zu der Erkenntnis gelangt, dass das Grundstück offenbar schon seit Jahren widerrechtlich als Tierauffangstation und Pflegestelle genutzt werde. Anlass für die neuerlichen Ermittlungen der Bauaufsicht waren Anwohnerbeschwerden, die die Kreisverwaltung am 16. April über das Ordnungsamt der Oranienburger Stadtverwaltung erreichten. „Anwohner hatten sich über vielfach zu starke Geruchs- und Geräuschemissionen beschwert“, berichtet Kreisverwaltungs-Sprecher Wappler. Daraufhin habe es am 17. April erneut eine Kontrolle gegeben, bei der den Mitarbeitern der Bauaufsicht der Zutritt aufs Gelände verwehrt worden sei. Stattdessen seien die Kontrolleure für Anfang Mai zum Tag der offenen Tür eingeladen worden. Den untersagten die Behördenvertreter noch vor Ort. Denn laut Wappler sind auf dem Hof wegen seiner Lage im Wohn- und Erholungsgebiet auch keine öffentlichen Veranstaltungen erlaubt.

Während im Netz nun reichlich Kritik an Bauaufsicht und „tierhassenden Nachbarn“ geübt wird, wollen sich die Gnadenhof-Betreiber wohl ihrem Schicksal fügen und das Gelände bis Juni räumen. Inzwischen sehen sie sich nach Alternativen um. Gesucht wird ein alleinstehendes Gehöft, auf dem die Haltung von Tieren erlaubt ist. Ebenso wird auf der Internetseite des Gnadenhofes bereits um Spenden gebeten, um den Umzug auf ein neues Grundstück auch finanzieren zu können.

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