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Streit um PflasterstraSSe : Kein Frieden in Friedenfelde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Historische Pflasterstraßen in märkischen Dörfern entzücken Ausflügler. Jetzt sorgt ein spezieller Fall aber für Streit bei Anwohnern.

Die Kastanienbäume an der gepflasterten Dorfstraße stehen in voller Blüte, schmucke Bauernhäuser und ein altes Gutshaus mit Café säumen den Straßenrand. Das Dorf Friedenfelde in der Uckermark wirkt verschlafen und idyllisch. Doch der Schein trügt. In dem nicht einmal 100 Einwohner zählenden Ort zwischen Angermünde und Templin ist ein handfester Streit um die alte, gepflasterte Dorfstraße entbrannt.

Der Landkreis Uckermark will die 400 Meter lange Straße erneuern lassen. Viele alteingesessene Einwohner wollen das auch, die zugezogenen Wochenend-Berliner eher nicht – und um den Frieden in Friedenfelde ist es seitdem nicht mehr so gut bestellt. Es gibt sogar schon Hausverbote. Der Kreis wollte zuerst Asphalt für die Straße. „Wir wollten eine Mischung aus Asphalt und Pflaster. Und so wurde es beschlossen“, berichtet der Inhaber des Cafès im Gutshaus, Oliver Nowatzki. Doch einige wenige Friedenfelder forderten dann den kompletten Erhalt der Pflasterstraße. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet und eine Online-Petition gegen die geplante neue Straße gestartet.

Die Petition wird mittlerweile von Prominenten unterstützt, darunter Naturschützer Michael Succow, Dokumentarfilmer Volker Koepp und Detlef Karg, ehemaliger brandenburgischer Landeskonservator. „Wir wollen die Straße erhalten. Der historische Charakter des Ortes würde ohne sie Schaden nehmen“, sagt auch der Bildhauer Maximilian Klinge.

Seine Familie habe ein Faible fürs Historische und hier schon mehrere Gebäude saniert, ergänzt er. Die Mehrheit im Ort ist jedoch zimelich sauer über diese Forderungen. „Wenn hier die schweren Trecker und Lkw durchfahren, die die Silos des Landwirtschaftsbetriebes befüllen, gibt es einen ohrenbetäubenden Krach“, sagt der Friedenfelder Frank Hannasky. „Da warten wir zehn Jahre auf die neue Straße. Nun soll sie kommen und eine Gruppe von Berlinern, die hier nur am Wochenende ist, will uns das kaputt machen“, schimpft er. „Nur weil sie Angst um ihre Idylle hat. Wir müssen aber jeden Tag hier lang fahren.“

Die Bildhauerin Karla Gänßler, die direkt an der Straße in der alten Dorfschule wohnt, war zunächst für den Erhalt der Pflasterstraße und hat vom Landkreis deren denkmalgerechte Sanierung gefordert. Doch als ihr ein Statiker sagte, dass sie langfristig um den Erhalt ihres alten Hauses fürchten müsse, wenn die Erschütterungen nicht aufhören, hat sie umgedacht. Sie startete eine Umfrage im Ort: Über 80 Prozent seien für die neue Straße, sagt sie. Das Ergebnis sei also eindeutig.

„Diese Umfrage ist manipuliert, sie hat einen Teil der Einwohner nicht gefragt. Und auch noch die Bewohner des Nachbarortes mit einbezogen, die überhaupt gar nichts damit zu tun haben“, tut Autor und Filmemacher Dieter Bub das Ergebnis ab. Er wohnt auf einem Einzelhof, 900 Meter vom Ort entfernt und unterstützt die Bürgerinitiative. Die hat jetzt beim Landesamt für Denkmalsschutz einen Antrag auf Unterschutzstellung der Straße gestellt.


Hausverbot für eine ganze Familie


„Das geht zu weit. Wenn sie es wirklich schaffen, den Straßenbau zu verhindern, dann wird es hier richtig böses Blut geben“, sagt Frank Hannasky.

Als nun auch noch eine Klageandrohung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen den Straßenbau eintraf, zog Landrat Dietmar Schulze (SPD) den Plan zurück. „Wir werden die Straße nicht bauen. Das Geld muss in diesem Jahr ausgegeben werden, bei einem langwierigen Gerichtsverfahren geriete das in Gefahr“, sagte er in dieser Woche den Mitgliedern des Kreisausschusses. „Es gibt genug Gemeinden in der Uckermark, wo mir ein roter Teppich ausgelegt wird, wenn ich dort die Dorfstraße sanieren lasse“.

Als Cafébetreiber Nowatzki davon erfuhr, erteilte er der Familie Klinge in einer ersten Reaktion Hausverbot.

Die Bürgerinitiative will am Wochenende Briefe an alle Friedenfelder verschicken. „Wir erklären, dass wir zwar eine Pflasterstraße fordern. Ihre Reparatur wollten wir aber nicht verhindern“, sagt Bub.

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