Biber: : Kehrbesen oder Kaliber 6,5

viiser

Vom Land eingesetzte Biber-Manager sollen ab Herbst zwischen oft unversöhnlichen Freunden und Feinden vermitteln.

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18. August 2015, 10:00 Uhr

Prachtvolle Burgen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme mit Dämmen und Durchlässen: Damit schaffen sich die unter Schutz stehenden Biber so manche Feinde – bei den Menschen. Die größten Konflikte in Deutschland im Zusammenleben von Mensch und Tier gibt es derzeit in der brandenburgischen Oder-Region. Vom Land eingesetzte Biber-Manager sollen ab Herbst zwischen oft unversöhnlichen Freunden und Feinden vermitteln.

„Das ist möglich“, meint der Bayer Peter Martin, der bereits seit 2002 in seiner Heimat im Landkreis München diesen Job macht. Der 67-Jährige verhandelt mit beiden Seiten. Erfolgreich sind bereits auch Biberbetreuer in Sachsen.

Kritiker im brandenburgischen Oderbruch beklagen vor allem unter Wasser stehende Felder, die nicht mehr bearbeitet werden können. Zudem laufen Keller in Häusern voll, weil Biber Wasser anstauen. Regelmäßig bei Hochwasser werden den Nagetieren auch Schäden an Deichen zugeschrieben.

In den neuen Ländern leben rund 10    000 Exemplare der Unterart Elbe-Biber (Castor fiber albicus). Vor knapp 100 Jahren waren sie fast ausgestorben: Fleisch und Fell waren sehr begehrt. Einem Drüsensekret wurden zudem potenzsteigernde Kräfte zugeschrieben. Inzwischen ist der Bestand aber stabil – auch weil der Biber unter Schutz steht. „Biber sind einfach eine Landplage“, sagt der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung. Millionenschäden müssen nach seinen Angaben verkraftet werden. Mit ihren scharfen Zähnen könnten die Tiere dicke Bäume fällen, Straßen unterhöhlen, Abflüsse verstopfen oder Deiche durchlöchern.

Brandenburg will jetzt in Brüssel prüfen lassen, ob der Schutzstatus reduziert werden kann. Nach einer Landes-Verordnung erhalten jetzt Gewässererhaltungsverbände 300  000 Euro für die Sicherung von Deichen. Auch dürfen Tiere in Einzelfällen gefangen oder gejagt werden.

Aus Sicht des Landesjagdverbandes kann die Population gut über das Jagdrecht reguliert werden. „Ortsansässige Jäger kennen die Gegebenheit am besten“, betont Geschäftsführer Georg Baumann. Der Landkreis Märkisch-Oderland will Gebiete ausweisen, in denen die Biber nichts zu suchen haben. Sie sollen umgesiedelt oder – wenn nicht möglich – getötet werden; unter Beachtung der Naturschutz-Regelungen.

Jenseits der Grenze auf polnischer Seite sind die ebenfalls unter Schutz stehenden Dammbauer nicht zum Abschuss freigegeben. Sehr zum Unwillen der Landwirte hat sich ihre Zahl von 100 Exemplaren in den 1950er Jahren auf 90   00 erhöht. Naturschützer wehren sich, Biber als Sündenböcke abzustempeln. Sie seien nützlich für den Natur- und Artenschutz. „Es muss mehr aufgeklärt und beraten werden“, betont die Geschäftsführerin des Brandenburger Naturschutzbundes, Christiane Schröder. Für manche Schäden seien auch nicht unbedingt die Biber verantwortlich.

Können Biber-Manager nun in Brandenburg helfen? Aus seinen Erfahrungen ist der Bayer Peter Martin davon fest überzeugt. In seinem Revier leben 50 Biber-Familien. „Nur ganz wenige machen Ärger“, sagt er. „Dann muss der Konflikt gelöst werden.“

Zuletzt 2013 musste in seiner Region eine vierköpfige Biberfamilie getötet werden. Ihr Damm hatte eine Tankstelle bedroht. Bei einem anderen Artgenossen reichte der Kehrbesen. „Damit schob ich ihn in eine Mülltonne. Mit dem Auto ging es dann zu dem neuen Wohnort“, sagt er.

Ansonsten empfiehlt Martin seinen künftigen Brandenburger Kollegen, sich möglichst bald „biber-taugliche“ Arbeitsgeräte anzuschaffen: Eine Harke, um notfalls einen Damm zu kappen sowie Gummistiefel und Wathose, um im Wasser trocken zu bleiben. Und:„«Rohre für die Erste-Hilfe-Drainage, wenn zu viel Wasser aufgestaut wurde“.

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