Viele kostenpflichtige Angebote schaden oder sind nutzlos : Kassen rügen Zusatzdienste der Ärzte

Zu diesem Fazit kommt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS).

von
02. März 2015, 22:00 Uhr

Krebsfrüherkennung, Messung des Augeninnendrucks und professionelle Zahnreinigung – das sind populäre und zugleich fragwürdige „individuelle Gesundheitsleistungen“ (Igel). Zu diesem Fazit kommt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS). Die Leistungen übernehmen die Kassen nicht, weil sie als nicht notwendig eingestuft werden. Patienten zahlen direkt an den Arzt. Von 37 überprüften Angeboten werden nur acht positiv bewertet.

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse hat in Berlin-Brandenburg bereits jeder zweite Versicherte solche Angebote erhalten. In vier von fünf Fällen hätten die Patienten die Offerte angenommen, sagt TK-Chefin Susanne Hertzer. „Ich appelliere an die Ärzte, gründlich über den konkreten Nutzen für die jeweiligen Patienten zu informieren.“ Außerdem dürften die Angebote nicht von den Praxishelfern unterbreitet werden, sondern nur vom Mediziner selbst. Den Versicherten rät sie, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. „Vor allem ältere Menschen sind unsicher, neigen dazu, alles zu tun, was der Arzt sagt“, gibt Susanne Hertzer zu bedenken.

Am häufigsten wird laut TK Frauen ein Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung angeboten. Die Kosten liegen zwischen 20 und 50 Euro. Der MDS stuft das Angebot als „negativ“ ein, denn Studien hätten belegt, das mit Ultraschall gleich viele Frauen an Eierstockkrebs sterben wie ohne Untersuchung. Zudem würden Frauen durch Fehlalarme häufig unnötig beunruhigt und sogar eigentlich gesunde Eierstöcke entfernt.

Augenärzte wiederum legen Patienten oft eine Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung von grünem Star nahe. Urteil des MDS zu dieser Untersuchung: „tendenziell negativ“. Studien würden zeigen, dass die Messung ein Glaukom nicht zuverlässig vorhersagen oder diagnostizieren kann. Außerdem könne die Untersuchung die Augen leicht schädigen. In der Kritik steht außerdem der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Er biete allenfalls geringen Nutzen, aber dafür Risiken bei der Untersuchung.

Als „tendenziell positiv“ werden etwa die Akupunktur zur Migräneprophylaxe und die Laser-Behandlung von Krampfadern bewertet. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg räumt ein, dass Igel-Leistungen in den Praxen „Teil der betriebswirtschaftlichen Überlegungen“ seien. Es gehe dabei auch um die „wirtschaftliche Sicherheit“ der Mediziner. KV-Sprecher Christian Wehry: „Wir raten den Ärzten, offen und ehrlich zu informieren und nicht reißerisch für diese Untersuchungen zu werben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen