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Landesmuseum will Skelett nicht freigegeben : Kampf um einen Gehenkten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

1516 hatte der eigensinnige Krüger, so lautete die damalige Berufsbezeichnung, ein grausiges Ende am Müncheberger Galgen genommen. Weil er seinen Gästen lieber Bier aus Fürstenwalde ausschänkte statt aus Müncheberg, wie es seine Pflicht gewesen wäre.

Sie sollten die Attraktion des kurz vor seiner Eröffnung stehenden Biermuseums in Fürstenwalde werden: Die sterblichen Überreste des Steinhöfeler Gastwirts Friedrich Kersten, ausgestellt in einem eigens hergestellten Sarg aus Sicherheitsglas. Nun droht die Idee am Veto des Archäologischen Landesmuseums zu scheitern.

1516 hatte der eigensinnige Krüger, so lautete die damalige Berufsbezeichnung, ein grausiges Ende am Müncheberger Galgen genommen. Weil er seinen Gästen lieber Bier aus Fürstenwalde ausschänkte statt aus Müncheberg, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Die Müncheberger machten mit Kersten kurzen Prozess, was auch nicht Rechtens war, so dass sie den Gehenkten letztendlich auf Geheiß des Kurfürsten ehrenvoll in ihrer Kirche bestatten mussten.

Mitte der 1990er-Jahre wurden seine Gebeine bei der Sanierung der Kirche entdeckt, an der Nordwand, in einer Tiefe von etwa 1,80 Meter. „Es handelte sich um ein vollständig erhaltenes Skelett“, erinnert sich Münchebergs Ortschronist Klaus Stieger.

Der damalige Grabungsleiter Burger Wanzek veranlasste eine anthropologische Untersuchung. „Dabei kam unter anderem heraus, dass er nicht am Bruch der Halswirbelsäule gestorben ist, sondern erstickte“, so Stieger weiter – ein qualvoller Tod. Diese Ergebnisse sind auch Fürstenwaldes Museumsleiter Guido Strohfeldt bekannt. Er geht davon aus, dass es sich bei dem Skelett um das des Krügers Kersten handelt.

Nach der Untersuchung wurden die Knochen in das zentrale Magazins des Landesmuseums gebracht, denn als Bodenfunde sind sie Eigentum des Landes. Ein Antrag des Fürstenwalder Museums, sie als Leihgabe für das neue Brauereimuseum im Ratskeller zur Verfügung gestellt zu bekommen, wurde abgelehnt. In einem Schreiben heißt es zwar, dass unter den Funden aus Müncheberg auch menschliche Gebeine seien, diese sich jedoch nicht dem gesuchten Friedrich Kersten zuordnen ließen.

Es gebe „keinerlei Hinweis auf die Aufdeckung einer historisch bezeugten Bestattung“. Es seien nur einzelne menschliche Knochen aufgefunden worden.

Mit dieser Antwort will sich Klaus-Peter Oehler, der Chef der Fürstenwalder Kulturfabrik, zu der das Museum gehört, nicht zufrieden geben. „Einerseits gibt es Berichte, dass es ein Skelett gab und sogar eine pathologische Untersuchung, andererseits dieses Schreiben. Der Widerspruch ist nicht auflösbar“, so Oehler. Er habe den Eindruck, dass keiner weiß, wo das Skelett ist. „Wir wollen alle Belege, die wir haben, noch einmal einreichen und eine erneute Überprüfung veranlassen“, sagt Oehler, der auch einen Brief an die Landesregierung schreiben und um Unterstützung bitten möchte.

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