Verein Tierrettung : Känguru hüpft durch Brandenburg

Hallo Nashorn! Aus einem Zirkus entwischte dieses Nashorn in Luckenwalde.
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Hallo Nashorn! Aus einem Zirkus entwischte dieses Nashorn in Luckenwalde.

Elche auf der Autobahn, ein Nashorn auf dem Zebrastreifen

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25. November 2014, 13:58 Uhr

Verflogen, verirrt, verlaufen - den Mitgliedern des Vereins Tierrettung Potsdam ist keine tierische Not fremd. Seit Samstag halten sie mit Polizisten und Feuerwehrleuten wieder Ausschau. Gesucht wird ein Wallaby-Känguru, das aus einem privaten Gehege in Werder ausgebüxt ist (wir berichteten).

„Es soll ein Junges bei sich im Beutel haben“, sagt Vereinsvorsitzender Michael Breuer gestern. „Das ist der Sache nicht förderlich.“ Das Känguru war am Montagmorgen Autofahrern aufgefallen. Sie versuchten, das Tier an einer Autobahnauffahrt einzufangen. Helfer von Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Tierrettung eilten herbei. Doch das Tier war nicht zu fassen.

Jetzt warten die ehrenamtlichen Helfer, ob das Känguru irgendwo wieder gesichtet wird und sie informiert werden. „Wir wollen versuchen, es mithilfe eines Tierarztes zu narkotisieren und einzufangen.“ Das in Australien beheimatete Tier, ein Wallaby und damit etwas kleiner als ein Känguru, gehört einer Züchterfamilie im Havelstädtchen Werder bei Potsdam.

Wie es dem Ausreißer in freier märkischer Wildbahn wohl geht? Breuer wird nachdenklich und sagt: „Stress.“ Das Tier brauche viel Energie, finde aber wenig Nahrung. Dazu komme die Gefahr durch den Straßenverkehr. Kälte sei noch nicht so ein Problem. „Doch sollte das Känguru so schnell wie möglich zu seinem Besitzer zurückkehren.“

Auch gestern schickte das Ordnungsamt in Werder verstärkt Streifen los. „Es gibt keine neuen Nachrichten“, sagte eine Stadtsprecherin am Nachmittag. Das Tier wurde nicht gesehen. Nach Ansicht des Tierschutzbundes Deutschland sollten keine Exoten in Privathaushalten gehalten werden.

Die Tiere könnten wegen ihrer hohen Ansprüche und der oftmals dürftigen Kenntnisse über ihre Bedürfnisse nur in den seltensten Fällen entsprechend dem Tierschutzgesetz gehalten werden. Oft dienten solche Tiere nur als „lebender Einrichtungsgegenstand“ oder als „Statussymbol“, erklärte der Tierschutzbund.

Die Tour des Kängurus reiht sich in andere tierische Fluchtversuche in der Mark ein. Erst am letzten Wochenende spazierte ein Nashorn durch Luckenwalde (Teltow-Fläming). Es war aus einem Zirkus ausgerissen.

Weit kam der massige Koloss aber nicht. Er ließ sich irgendwann friedlich auf einer Wiese nieder und wurde dann wieder in sein Gehege gebracht. Vor zwei Wochen setzten sich Stachelschweine aus dem Luckenwalder Tierpark ab. Freiwillig wollten sie nicht zurück und verschossen ihre Pfeile – einen in den Reifen des Tierarzt-Autos. Im Juli verursachten vier entlaufene Kühe auf der Autobahn 24 einen Unfall. Dabei wurde ein Autofahrer verletzt, drei Kühe verendeten. Im Mai schafften es zwei wandernde Elche in den Verkehrsfunk.

Breuer berichtet von 100 bis 120 Einsätzen seiner Potsdamer Tierretter. Es geht nicht nur um vermisste Katzen und Hunde, sondern auch um verirrte Entenfamilien, irritierte Rehe und Füchse oder Spechte und Krähen, die sich verflogen hatten oder verletzt wurden. „Vor zwei Monaten haben wir eine 1,20 Meter lange Würgeschlange in einem Potsdamer Wohngebiet eingefangen“, berichtet er.
Nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums sind landesweit rund 6600 Halter und Züchter mit etwa 22 000 besonders geschützten Tieren offiziell gemeldet. Dazu komme eine Dunkelziffer.

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