zur Navigation springen

Die Oder nähert sich historischen Tiefständen : (K)ein Schiff wird kommen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

So niedrig wie gegenwärtig stand das Wasser in der Oder selten. Mehrere Schiffe haben sich bereits festgefahren.

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2015 | 10:00 Uhr

So niedrig wie gegenwärtig stand das Wasser in der Oder selten. Mehrere Schiffe haben sich bereits festgefahren. Allzu viel hat der Regen der vergangenen Tagen auch nicht gebracht. Zwar sind die Pegel in Eisenhüttenstadt und Frankfurt seit Sonntag um etwa 30 Zentimeter gestiegen, doch ab heute sagen die Experten schon wieder ein Sinken voraus. „Durch die geringen Niederschläge fallen die Werte seit April kontinuierlich“, sagt der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde, Peter Münch.

Zwar sei extremes Niedrigwasser nichts Außergewöhnliches für einen frei fließenden Fluss – „so wie die extremen Hochwasser kommt es alle zehn bis zwölf Jahre vor“, meint Münch. Doch genau wie seine Mitarbeiterin, die Hydrologin Cornelia Lauschke, hält er es für möglich, dass in diesem Jahr besonders extreme Werte erreicht werden. „Denn normalerweise haben wir die niedrigsten Stände immer erst im August oder September“, sagt Lauschke. Regnet es weiter so wenig wie bisher – insbesondere im Einzugsgebiet der Oder, das sich in den tschechischen und polnischen Mittelgebirgen befindet – könnten in diesem Jahr neue Rekorde erreicht werden. Die bisherigen stammen etwa für den Pegel Eisenhüttenstadt mit 1,37 Meter aus dem Jahr 1950 und 1,38 Meter aus 2003. Zum Vergleich: Am vergangenen Wochenende betrug der Wert 1,67 Meter, für heute und die kommenden Tage werden zwischen 1,90 und 1,75 Meter erwartet.

In Frankfurt (Oder) war der Fluss am Sonntag nur 1,13 Meter tief, am polnischen Pegel von Slubice wurden gar nur 96 Zentimeter gemessen. „Weil sich mehrere Schiffe auf Sandbänken festgefahren haben, ist der Flussabschnitt zwischen Frankfurt und der Warthemündung bei Küstrin seit Dienstag für die gesamte Schifffahrt gesperrt“, sagt Cornelia Lauschke. Unter dieses Verbot fallen außer motorisierten Sportbooten rein theoretisch sogar Kanus.

Das einzig größere Touristenboot, das zwischen Krosno Odrzanski (Crossen) und Küstrin unterwegs ist – das mit EU-Mitteln gebaute Schiff „Zefir“ – liegt seit über zwei Wochen im Küstriner Hafen fest. „Zuvor hatten wir uns an der Warthemündung auch schon festgefahren“, berichtet sein Kapitän Tadeusz Rachudala. „Auch das Schwesterschiff der Zefir, die Laguna, die normalerweise weiter südlich in Polen im Einsatz ist, kann derzeit nicht fahren“, ergänzt Petra Jantke vom Stadtmarketing und Tourismus in Frankfurt. Dabei waren die beiden Boote mit nur 70 Zentimeter Tiefgang speziell für die flache Oder gebaut worden. Doch schon im vergangenen Jahr konnte die „Zefir“ Ende Juli und Anfang August nicht fahren. Für die touristische Vermarktung der Oder gerade in ihrem mittleren Abschnitt sind solche Unwägbarkeiten natürlich ein großes Problem. Und auch für die vorwiegend polnischen Reedereien, die noch Waren auf dem Grenzfluss transportieren, ergibt sich wenig Anreiz, über Investitionen und eine Ausweitung ihrer Geschäfte nachzudenken.

Schon durch eine regelmäßige Instandsetzung der Buhnen könnten aber zumindest etwas bessere Wasserstände erreicht werden. „Deshalb bin ich auch froh darüber, dass im April nach mehr als zehn Jahren Verhandlung endlich ein deutsch-polnisches Abkommen über die Grenz-Wasserstraßen unterzeichnet wurde“, sagt Peter Münch vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Eine Arbeitsgruppe habe nun damit begonnen, ein gemeinsames Stromregulierungsverfahren auszuarbeiten. „Mit der Instandsetzung der Buhnen sollte begonnen werden, aber das Programm ist langfristig angelegt“, so Münch ein.

Wer jetzt auf die Idee kommen sollte, die flache Oder zu Fuß oder schwimmend zu durchqueren, wird von den Experten gewarnt. Denn trotz des geringen Wasserstandes gibt es an vielen Stellen gefährliche Untiefen, Strudel und starke Strömung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen