Tödlicher Sturz : Jugenddorf: Prozess droht

Die EJB Werbellinsee, ehemals Pionierrepublik Wilhelm Pieck
Die EJB Werbellinsee, ehemals Pionierrepublik Wilhelm Pieck

Nach Tod eines Schülers am Werbellinsee erhob die Staatsanwaltschaft Anklage

svz.de von
29. September 2015, 19:17 Uhr

Mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Sturz eines zwölfjährigen Schülers auf dem Gelände der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) am Werbellinsee bei Joachimsthal (Barnim) hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) Anklage gegen die beiden Geschäftsführer des Jugenddorfes erhoben. Gegen sie war wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt worden.

Inzwischen sei die Anklageschrift eingegangen, hieß es am Dienstag beim zuständigen Amtsgericht in Eberswalde. Ob und wann das Verfahren eröffnet wird, blieb zunächst jedoch unklar. Der Junge war im Juni 2014 auf dem Gelände der EJB neben einer Treppe hingefallen. Dabei hatte er so schwere Verletzungen am Hals erlitten, dass er noch am Unfallort starb.

Das Kind stammte aus dem Kreis Havelland. Es war gemeinsam mit Klassenkameraden während eines Schulausflugs in der Begegnungsstätte am Werbellinsee zu Gast.

Nach dem Vorfall drohte dem Jugenddorf zunächst die Schließung. Erst als Sicherheitsmängel abgestellt worden waren, erteilten die Behörden der EJB Werbellinsee GmbH die Erlaubnis zum Weiterbetrieb. Unter anderem musste ein brunnenähnlicher Schacht verschlossen werden. Zudem wurden Bäume gefällt und Treppen abgesperrt. Die EJB Werbellinsee GmbH hatte eigenen Angaben zufolge für die Arbeiten mehrere Firmen sowie das Technische Hilfswerk (THW) beauftragt.

Ein weiterer tödlicher Vorfall in dem Jugenddorf wird von den Ermittlern hingegen als Unfall eingestuft. Bei einem nächtlichen Versteckspiel in einem abgesperrten früheren Schulgebäude war Ende August ein 20-jähriger Betreuer vom Dach gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Der junge Mann war gemeinsam mit Kollegen in das dreigeschossige Abbruchhaus eingedrungen. Er wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus geflogen. Dort starb er einige Stunden später an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

Die Begegnungsstätte war im Jahr 1952 von der DDR als „Pionierrepublik Wilhelm Pieck“ eröffnet worden. Nach der Wende ging die Anlage in den Besitz des Landes Brandenburg über. Seit 2004 befindet sie sich in Privatbesitz.  

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