Landwirte besorgt über zunehmende Schäden : Jagdstatistik gibt Rätsel auf

Die Gründe für die zurückgegangenen Jagdzahlen sind noch unbekannt.
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Die Gründe für die zurückgegangenen Jagdzahlen sind noch unbekannt.

Noch im Jagdjahr 2012/13, das jeweils von Anfang April bis Ende März des folgenden Jahres reicht, wurden bei den meisten Wildtieren Rekordstrecken vermeldet. Ein Jahr später sieht dies schon ganz anders aus

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05. November 2014, 10:09 Uhr

In Brandenburgs Wäldern wurde im Jagdjahr 2013/14 weniger Wild geschossen als in den vergangenen Jahren. Gründe dafür können die Jagdbehörden nicht nennen – die Tierbestände haben sich jedenfalls nicht verringert.

Noch im Jagdjahr 2012/13, das jeweils von Anfang April bis Ende März des folgenden Jahres reicht, wurden bei den meisten Wildtieren Rekordstrecken vermeldet. Die Statistik umfasst sowohl die Abschusszahlen, als auch die Todfunde und die durch Verkehrsunfälle getöteten Tiere.

Ein Jagdjahr später (im Zeitraum vom Anfang April 2013 bis Ende März dieses Jahres) gab es fast überall einen statistischen Rückgang. Beim Rotwild ist dieser fast zu vernachlässigen. Dort betrug die Zahl der erlegten Tiere 9936, nur 28 weniger als im Vorjahr. In den Landkreisen Oder-Spree, Ostprignitz-Ruppin und Dahme-Spreewald wurden jeweils über 1000 Stück Rotwild erlegt.

Bei Damwild wurden knapp 13 000 Tiere verzeichnet, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dort lagen Potsdam-Mittelmark und Oberhavel ganz vorn. Bei Rehwild wurden 73 106 Tiere zur Strecke gebracht, ein Rückgang um ein Prozent. Das Schalenwild wird vor allem für die Verbisse an jungen Bäumen verantwortlich gemacht. Brandenburgische Waldbesitzer beklagen seit Jahren, dass durch die hohen Wildbestände keine natürliche Verjüngung der Wälder mehr stattfindet.

Die größten Auswirkungen für die Landwirtschaft dürfte der verringerte Abschuss bei Schwarzwild haben. Dort wurden 63 254 Tiere erlegt. Das waren zwölf Prozent weniger als im vorangegangenen Jagdjahr. „Der Jagddruck ist viel zu gering. Wir brauchen engagierte Jäger, die die landwirtschaftlichen Kulturen schützen“, erklärt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg.

So einfach lassen sich die Jäger jedoch nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Angesichts der riesigen Maisflächen im Land sei es sehr schwer, die Wildschweinbestände niedrig zu halten, sagt Ulrich Hardt, Leiter der Obersten Jagd- und Fischereibehörde des Landes. Die Tiere würden sich teilweise den ganzen Sommer über in den Feldern tummeln, ohne dass sie dort gejagt werden können. Immer wieder werde an die Bauern appelliert, Jagd-Schneisen in den Feldern anzulegen. Obwohl es dafür Fördermittel gebe, käme ein Teil der Landwirte dem jedoch nicht nach, erklärt Hardt.

Den Rückgang an erlegtem Wild kann sich der Experte auch nicht erklären. Die Zahl der rund 12 500 Jäger habe nicht abgenommen. Die geringeren Streckenzahlen könnten auch an der Witterung gelegen haben, so Hardt. In schneereichen Wintern lässt sich Schwarzwild beispielsweise leichter aufspüren als in solchen mit wenig Schnee, wie im vergangenen.

Die Statistik weist außerdem 3051 erlegte Feldhasen aus. 63 Prozent davon sind jedoch nicht geschossen worden, sondern kamen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder. 1018 Fasane wurden zur Strecke gebracht, ein Rückgang um 232 Tiere. Rückläufig war auch die Zahl der erlegten Enten (10 443 Stück), Gänse (4395) und Ringeltauben (2159). Bei Füchsen wurde mit 22 754 erlegten Tieren der niedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre registriert. Auch die Zahl der erlegten Dachse war in der Statistik erstmals seit 13 Jahren rückläufig. Allerdings sterben ein Drittel der hier aufgelisteten 3740 Tiere im Straßenverkehr.

Weiter gestiegen ist dagegen die Zahl der getöteten Waschbären – sie wird mit 21 577 angegeben. Die sich dahinter verbergende weiter steigende Population dieser eingewanderten Tiere wird im Bericht als besorgniserregend bezeichnet, da die Waschbären beispielsweise für den Rückgang der sich dramatisch verringernden Wiesenbrüter verantwortlich gemacht werden.

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