zur Navigation springen

Kastrieren oder abschieSSen : Jäger wollen weiter Katzen töten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Streit über Umgang mit streunenden Vierbeinern / Kommunen scheuen sich vor Kastrationspflicht

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 23:30 Uhr

. Die steigende Zahl freilaufender Katzen sehen sowohl Jäger und Veterinäre, als auch Natur- und Tierschützer als großes Problem. Was ist dagegen zu tun? Kastrieren oder abschießen? Der Landesjagdverband plädiert für beide Alternativen.

Sie sind scheu und nachtaktiv, verstecken sich vor den Menschen, und doch entwickeln sie sich zu einer immer größeren Belastung. Auf mindestens 30 000 schätzt der Landestierschutzverband die Zahl der wilden Katzen im Land. Tendenz stark steigend. Es handele sich dabei zumeist um Nachkommen von nicht kastrierten privaten Hauskatzen mit Freigang oder von ausgesetzten Tieren, erklärt die Verbandsvorsitzende Renate Seidel. „Sie leiden meist an Unterernährung, sind eine Bedrohung für Vögel und wegen diverser Erkrankungen auch eine Gefahr für Hauskatzen.“

Der Landesjagdverband teilt diese Einschätzung, sieht außerdem noch Risiken für die Gesundheit des Wilds in den Wäldern. Deshalb dürfe man auch nicht daran rütteln, dass die Tötung von streunenden Katzen genauso wie die von wildernden Hunden gemäß Landesjagdgesetz erlaubt ist, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. „Wir reden nicht von Nachbars Minka, sondern von wilden Katzen.“

Der Landestierschutzverband sieht das völlig anders und fühlt sich bestätigt von einer Initiative der rot-grünen Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Wurden dort im vergangenen Jahr von Jägern noch knapp 7600 Katzen getötet, soll damit ab dem kommenden Jahr Schluss sein.

Die Brandenburger Bündnisgrünen äußern sich zurückhaltend über ein mögliches Jagdverbot. „In NRW gibt es darüber seit vielen Jahren eine Debatte, bei uns aber ist das Thema neu, deshalb sollten Für und Wider zunächst ausgiebig diskutiert werden“, sagt Benjamin Raschke, Parteichef und Landtagsabgeordneter. Sofortigen Änderungsbedarf sieht er jedoch bei den Abstandsregelungen. So dürfen Jäger derzeit Katzen töten, wenn sie sich mindestens 200 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt aufhalten. „Der erforderliche Mindestabstand muss erweitert werden“, findet Raschke.


Nur in einer Stadt muss bislang kastriert werden


Einig sind sich indes alle Experten, dass der wachsenden Katzenplage mit einer Kastrations- und Registrierungspflicht für alle Freigänger unter den Hauskatzen begegnet werden sollte. „Damit es erst gar nicht zum Abschuss kommen muss, setzen wir auf Prävention“, erklärt Georg Baumann vom Jagdverband. Konkret geht es um das sogenannte Paderborner Modell. Die Stadt hatte sich dafür entschieden, eine Kastrationspflicht zu verhängen, als Beitrag für mehr Hygiene und Tierschutz. Außerdem ging es darum, sich das Geld für ein größeres Tierheim zu sparen.

In Brandenburg ist bislang erst eine Stadt dem Beispiel gefolgt. Seit August macht Luckenwalde (Teltow-Fläming) mit der neuen Auflage gute Erfahrungen, wie Daniela Hurtig, Vizechefin des Ordnungsamts, betont. Vermutlich auch weil man in der Anfangszeit einen Zuschuss zu den rund 100 Euro Kastrationskosten zahle, hätten sich viele Katzenbesitzer gemeldet. Auch der Kreis Havelland plant die Einführung der Kastrationspflicht.

„Aber viele Kommunen weigern sich nach wie vor. Sie sehen sich nicht in der Verantwortung“, bedauert Renate Seidel vom Landestierschutzverband. „Dabei ergibt sich für sie aus dem im Grundgesetz festgeschriebenen Staatsziel Tierschutz ein klarer Handlungsauftrag.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen