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4000 Euro Schaden je Hektar : Ist der Biber höhere Gewalt?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Überschwemmungsschäden auf 60 Hektar beschäftigen das Oberverwaltungsgericht.

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2015 | 22:00 Uhr

„Es ist einfach eine Katastrophe“, bricht es irgendwann im Laufe der mündlichen Verhandlung aus Eberhard Schneider heraus. Der 78-Jährige berichtet davon, wie immer größere Teile seiner Wälder im Laufe der Jahre wortwörtlich untergingen. 1996 kaufte er 250 Hektar Wald auf der Gemarkung der Stadt Brandenburg von der Bundesvermögensanstalt. Damals habe es keine Biber gegeben, ihre Ausbreitung war auch kein Thema. 2001 entdeckte er dann die erste Biberburg und bald den ersten Damm. Elf Jahre dauern nun schon die juristischen Auseinandersetzungen um den Biber und die von ihm verursachten Schäden.

Zunächst beantragte der Forstwirt, die Höhe des ersten Deiches verringern und einen weiteren Stau beseitigen zu dürfen. Schneider ist überzeugt, dass man damals sich mit den Naturschützern einigen und mit einer Biberfamilie hätte leben können.

Drei, vier überschwemmte Hektar, daran hätte er sich wohl nicht gestoßen. Stattdessen geriet der Fall in die juristischen Mühlen, neue Dämmer kamen hinzu, und im Wald entstanden Seen. Die Untere Naturschutzbehörde verwehrte jeden Eingriff in die Dämme. Im Widerspruchsverfahren erzielte Schneider vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht sogar einen Erfolg und ließ daraufhin einen Damm abtragen. Zu früh, das Urteil wurde aufgehoben.

Formal wird auch vor dem Oberverwaltungsgericht noch darum gekämpft, ob es eine Ausnahmegenehmigung für den ursprüngliche Damm geben kann. Aber Eberhard Schneider schüttelt bei diesem Thema nur den Kopf. Der alte Damm ist selbst längst in anderen, neuen Stauseen untergegangen, deren Dämme eigentlich nicht Gegenstand der langjährigen Verfahren sind. Selbst eine Trockenlegung würde ihm heute nicht mehr helfen – das Holz verfault. Ein Gutachten spricht von 4000 Euro Schaden je Hektar. Schneider klagt auf Schadensersatz, um neue Wälder zu kaufen und sein Unternehmen lebensfähig zu halten.




Die Untere Naturschutzbehörde hat im Laufe der Jahre eine Reihe Argumente dagegen zusammengetragen: Vielleicht ist nicht der Biber allein an den hohen Wasserständen schuld. Es gab sehr nasse Jahre und ein Elbehochwasser mit Rückstau ins Havelland. Die betroffenen Rot-Erlen seien nicht sehr wertvoll. Außerdem müsste der Waldbesitzer nachweisen, dass er den Wald auch bewirtschaftet habe. Schneider verteidigt sich, die Bestände sind pflegeleicht, da musste nicht ausgeforstet werden. Das nächste Argument gegen ihn: Die Überschwemmung sei im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes kein unzumutbarer Eingriff in seine Eigentümerrechte, da er ja noch genügend andere Waldflächen besitzt.

Das sahen die Richter nicht so, wie sie schon während der Verhandlung klar machten. Blieb das letzte Argument der Behörde: Schneider hätte weiter vor den höheren Instanzen klagen müssen, um eine Ausnahme aus den Naturschutzauflagen zu erreichen. Erst dann könne er Schadensersatz fordern. Wozu klagen, wenn der Schaden immer größer wird und eine Ausnahme für den ersten Biberdamm nichts mehr daran ändern würde, fragte Schneiders Anwalt.

Für das Gericht jedendfalls waren noch zu viele Fragen offen. Vielleicht wird ein neues Gutachten in Auftrag gegeben oder ein Vororttermin notwendig.

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