Das Besondere lockt die Käufer : „Ist das eine Orchidee?“

Der Orchideen-Züchter Hans-Joachim Wlodarczyk aus Großräschen mit einer Züchtung der Pflanze, die den botanischen Namen Trisetella hoijerii trägt.
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Der Orchideen-Züchter Hans-Joachim Wlodarczyk aus Großräschen mit einer Züchtung der Pflanze, die den botanischen Namen Trisetella hoijerii trägt.

In deutschen Häusern und Wohnungen hat sie einen festen Stammplatz. Bei manchen geht die Liebe zur Orchidee jedoch so weit, dass sie zum Sammler werden.

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28. April 2015, 08:00 Uhr

Der Klassiker auf dem Fensterbrett: Die Orchidee. In deutschen Häusern und Wohnungen hat sie einen festen Stammplatz. Im Baumarkt, Discounter und sogar an der Tankstelle ist sie schon für wenige Euros zu haben. Bei manchen geht die Liebe zur Orchidee so weit, dass sie zum Sammler werden. Genau diese Leute sind Kunden von Hans-Joachim Wlodarczyk aus Großräschen (Oberspreewald-Lausitz).

Der Südbrandenburger hat sich auf die Züchtung und Vermehrung seltener Orchideen-Arten spezialisiert. Bis zu 300 Euro kann eine Pflanze bei ihm kosten. Die Nachfrage sei steigend, sagt der 57-Jährige. „Die Leute suchen das Besondere.“

Wlodarczyk öffnet eine Tür zu einem riesigen Gewächshaus. Überall Orchideen, teilweise hängen sie von der Decke herab. Winzige Sorten, die auf Rinden wachsen, dann wieder Pflanzen, die ein riesiges Wurzelwerk haben. Hier sehen die Orchideen nicht so aus, wie der weit verbreitete Klassiker Phalaenopsis. „Viele Kunden, die hier reinkommen, fragen enttäuscht: ,Ist das eine Orchidee?‘“, berichtet Wlodarczyk. Sie seien an ein bestimmtes Bild der Pflanze gewöhnt. „Dabei ist ja gerade das Faszinierende an der Orchidee, dass sie so vielfältig ist.“ Mehr als 900 Naturformen und mehr als 600 gekreuzte Sorten bietet der 57-Jährige an.

Einige Pflanzen kauft er in Ländern wie Ecuador, Thailand oder Taiwan, viele andere werden durch Aussaaten vermehrt. Jahre braucht es, bis er einen Bestand aufgebaut hat, wie der Geschäftsführer der „Großräschener Orchideen“ erläutert. Mühevoll werde mit der Hand – teilweise mit Lupe und Pinzette – eine Pflanze bestäubt.

Im Jahr 2013 haben die Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt 8,59 Euro für eine Topf-Orchidee ausgegeben, wie die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) in Bonn mitteilt. Das sei etwas weniger als im Vorjahr gewesen. Woran liegt das? Es gebe viele sogenannte Lockangebote, mit denen Märkte mit günstigen Orchideen-Preisen Kunden anziehen wollen, heißt es weiter. Teilweise lägen die Verkaufspreise unter den Einkaufspreisen. Rund 440 Millionen Euro Umsatz wurde im Einzelhandel 2013 mit Orchideen erzielt – eine Steigerung gegenüber 2012. „Die Orchidee ist unangefochten auf Platz 1 der blühenden Zimmerpflanzen“, sagt die Ami-Expertin für Blumen und Zierpflanzen, Britta Tröster. Auf Platz 2 folge der Weihnachtsstern.

Am bekanntesten ist die Phalaenopsis-Orchidee. Betriebe wie der von Wlodarczyk mit seltenen Arten bildeten hingegen einen Nischenmarkt in Deutschland. Das bestätigt auch der Verband Deutscher Orchideen-Betriebe. „Das ist was Seltenes“, sagt der Vorsitzende Matthias Bremkens.

Das gilt allerdings nicht für Großräschen, denn dort hat Wlodarczyk direkte Konkurrenz. Auch die Firma „Niederlausitzer Orchideen und Tillandsien“ ist dort ansässig. Auch sie bietet Orchideen in Hülle und Fülle an. Rund 1000 Arten, wie Inhaber Lutz Lehradt sagt. Auch bei ihm seien es häufig Sammler, die sich für die Orchideen interessieren. Andere solcher Betriebe seien ihm in Brandenburg nicht bekannt. „Es gibt aber Hobbyzüchter“, ergänzt er.

Wlodarczyk hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Vor vielen Jahren war er noch in der Braunkohle-Industrie beschäftigt, wie viele Menschen in der Lausitz. 1993 habe er sich dann selbstständig gemacht: Zuerst züchtete er Tomaten und Balkonpflanzen. Dann habe er bemerkt, dass es eine große Nachfrage nach Orchideen gebe, beschreibt Wlodarczyk. So entwickelte sich der Betrieb zu einer Orchideen-Züchterei, die heute Kunden aus vielen europäischen Ländern habe. Die Masse der Pflanzen verkauft der Betrieb mit insgesamt drei Mitarbeitern in dem kleinen Laden in Großräschen, übers Internet und auf Verkaufsausstellungen etwa in Potsdam und Dresden. Einige tausend verkaufte Orchideen seien es pro Jahr.

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