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Junger Koch : „Irgendwann hat es klick gemacht“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein junger Rheinsberger entwickelt sich vom Sorgenkind zum Schulsprecher und besten Nachwuchskoch Brandenburgs.

Pascal Schäfer ist der beste Nachwuchskoch Brandenburgs. Der Traum des jungen Rheinsbergers (Ostprignitz-Ruppin) ist es, irgendwann einen Stern zu haben. Auch privat ist er umtriebig. Dabei sah es lange nicht danach aus, dass er einmal so zielstrebig werden würde. In seiner Jugend galt er als Problemkind.

Als Pascal Schäfer in die Region kam, war in seinem jungen Leben schon vieles falsch gelaufen. Im Alter von 14 Jahren kam er in das Schulz-Hencke-Heim in Kleinzerlang. Er galt als unbeschulbar. In Berlin, wo er aufgewachsen war, war er von mehreren Schulen geflogen, sammelte Verweise, legte sich mit Lehrern an, wechselte regelmäßig die Heime und überwarf sich mit seinen Eltern. „Ich hatte Probleme mit Autoritätspersonen“, sagt er rückblickend.

Wer Pascal heute sieht, kann sich das kaum vorstellen. Der 20-jährige, hochgewachsene Schlacks grinst fast dauerhaft über das ganze Gesicht. Im Gespräch ist er aufgeschlossen und höflich. Manchmal redet er so schnell, dass man beinahe spürt, wie viel Energie und Tatendrang in ihm stecken. Denn er hat viele Interessen und Ziele, die er eifrig verfolgt.

Es scheint, als sei die Abgeschiedenheit des Heims in Kleinzerlang genau das gewesen, was das Großstadtkind damals brauchte. „Am Anfang habe ich mich noch gewehrt. Ich war ein kleiner Rebell“, sagt er. „Aber irgendwann hat es klick gemacht.“ Er lernte aber auch, die Ruhe der ländlichen Gegend zu genießen. Ein Dreivierteljahr lang wurde er individuell unterrichtet. Weil er der Älteste in seiner Lerngruppe war, sollte er Verantwortung für die Jüngeren übernehmen, Führungsqualitäten entwickeln.

„Da fing es an, dass man über sich nachdenkt.“ Als Pascal dann auf der Rau-Oberschule wieder am normalen Unterricht teilnehmen durfte, entwickelte er sich zum regelrechten Musterschüler, wurde Klassen- und Schulsprecher. Auch an seiner Berufsschule, dem Oberstufenzentrum Ostprignitz-Ruppin bekleidet er diesen Posten.

So konsequent er sich entwickelte, war auch seine Berufswahl kein Zufall. Die Leidenschaft fürs Kochen hatte er schon als Kind entdeckt. Im Heim kochte er dann am Wochenende. Außerdem konnte er sich bei einer Koch-AG im betreuten Einzelwohnen in Rheinsberg ausleben. Sein Schülerpraktikum absolvierte er im Ratskeller. Als er dann nach der Schule eine Ausbildungsstelle suchte, war ihm klar: „Ich wollte weg von der gutbürgerlichen Küche und mehr in Richtung haute cuisine.“ Die Marina Wolfsbruch mit drei Restaurants schien ihm die richtige Adresse zu sein.

Sein Erfolg bei der Landesmeisterschaft der Nachwuchsköche gibt ihm recht. Denn um dort die Jury zu überzeugen, musste er flexibel sein, also viel wissen. Es galt, aus vorgegebenen Zutaten ein Menü zu zaubern. Im Oktober geht es zur Bundesmeisterschaft. Bis dahin wird der 20-Jährige viel üben.


Sparen, um Kochkunst zu studieren


Unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs hat Pascal sich schon hohe Ziele gesetzt. Nach der Ausbildung möchte er nach Berlin, um sich auf die nächste Etappe seines Lebensplans vorzubereiten: ein Studium zum Bachelor of culinary arts (zu Deutsch: Bachelor der kulinarischen Künste). Diesen Studiengang gibt es nur in der Schweiz. Er kostet 82 000 Euro. Deshalb will Pascal viel Geld verdienen und sparen. Außerdem hofft er auf ein Stipendium, „um mir den Traum zu erfüllen“. Denn irgendwann möchte Pascal einen Stern haben und für sein Idol arbeiten: Jamie Oliver. „Der ist so ein Verrückter“, lächelt Pascal.

Nicht nur was seine Berufspläne angeht, ist der 20-Jährige umtriebig. Auch privat unternimmt er viel. Zu seinen Hobbys gehören Schauspiel und Musik. Im vergangenen Jahr spielte er die Hauptrolle in dem Musical „Der blinde Passagier“ im Rheinsberger Schlosstheater. Gemeinsam mit einer Freundin hat er zudem das Musikprojekt „The AnCa Melodys“ ins Leben gerufen. „Wir machen so eine Art Akustik-Pop mit Balladen“, so Schäfer. Zudem lernt er gerade, das Instrument Cajon zu spielen– eine kastenförmige Trommel.

Nebenbei bringt er sich auch viel im Jugendtreff Pavillon Rheinsberg ein. Beim Festival „Rock am Rhin“, das erstmals vom Pavillon-Team organisiert wird, wird er für die Bar und den Grill zuständig sein. Pascal ist in Rheinsberg heimisch geworden. „Ich habe hier mein soziales Umfeld“ sagt er. Auch mit seiner Familie hat er sich längst ausgesöhnt. Und wieder macht sich das markante Lächeln in seinem Gesicht breit.

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