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Familienpaten : In guten Händen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Idee stammt aus Finnland. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck brachte sie vor rund zehn Jahren von einem Besuch mit.

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erstellt am 09.Sep.2014 | 09:03 Uhr

Die Idee stammt aus Finnland. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck brachte sie vor rund zehn Jahren von einem Besuch mit. Kurze Zeit später entstand im Süden des Landes das erste lokale Netzwerk Gesunde Kinder. Inzwischen sind viele weitere gefolgt.

Für Mandy Ziege und ihren Mann ist Rudi das dritte Kind. Als der Junge vor einem Jahr zur Welt kam, hörte seine Mutter erstmals vom Netzwerk Gesunde Kinder. „Meine Hebamme hat mir erzählt, dass es so etwas gibt“, sagt die 32-Jährige. Mandy Ziege fand sofort Gefallen an der Idee, für Rudi eine ehrenamtliche Patin zu bekommen. Also meldete sie sich beim Netzwerk Dahme-Spreewald. Die junge Mutter hatte Glück. Mit ihrer Familienpatin verstand sie sich auf Anhieb. Inzwischen sind die Frauen gut befreundet.

„Die Chemie stimmt allerdings nicht immer“, berichtet Sandra Kempe – eine von insgesamt drei Koordinatorinnen, die das Netzwerk im Kreis Dahme-Spreewald betreuen. „Wir versuchen, die Paten so passgenau wie möglich auszusuchen. Manchmal funkt’s und manchmal eben auch nicht.“ Notfalls wird die betroffene Familie an einen anderen Paten vermittelt.

Seit der Gründung des Netzwerks Dahme-Spreewald im Mai 2007 wurden mehr als 300 Familien begleitet. Aktuell sind es 130 Familien, die – völlig unabhängig von ihrer sozialen Stellung – von 64 Ehrenamtlichen betreut werden. In der Regel sind es Frauen, die sich auf diese Weise engagieren. Manche der Paten sind berufstätig, andere bereits Rentner. Die Alterspalette reicht von Ende 20 bis 70.

In ganz Brandenburg gibt es bislang 19 lokale Netzwerke mit insgesamt 39 Standorten. Das Projekt ist 2006 als zentrale Maßnahme in das familienpolitische Programm des Landes aufgenommen worden und wird vom Sozialministerium finanziell gefördert. Aktuell unterstützen 1300 Frauen und Männer ehrenamtlich 4300 Familien. Seit 2006 wurden 8200 Familien erreicht.

Ziel der Betreuung ist im Kern, jedem Kind eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Oftmals beginnt die Fürsorge bereits in der Schwangerschaft. Bis zum dritten Geburtstag des Kindes werden die Eltern begleitet. Als Informationskanal spielen Hebammen eine wichtige Rolle, sagt Koordinatorin Kempe. Inzwischen fragen auch Familien an, die nicht ohne Weiteres vermittelt werden können.

„Vor allem am Rande des Landkreises oder auf Dörfern haben wir weiße Flecken“, sagt Kempe. Allerdings fänden betroffene Familien aber mitunter Hilfe bei Netzwerken in benachbarten Kreisen.

Dennoch sei man stets auf der Suche nach weiteren Paten. Immer im September werden die neuen Interessenten geschult. Dabei geht es um Themen wie Säuglingspflege, Ernährung oder Hilfe bei Behördengängen. Bis zum dritten Geburtstag des Kindes müssen die Paten elf Pflichtbesuche einhalten. „In den meisten Fällen finden aber mehr statt“, berichtet Kempe. Die Ehrenamtler helfen bei Fragen nach dem ersten Fläschchen, dem ersten Gläschen Brei, nach der Anmeldung in der Kita oder geben moralische Unterstützung, wenn das schreiende Kind einfach nicht zu beruhigen ist. Kempe formuliert es so: „Die Paten sind Erinnerer, Helfer, Zuhörer, Begleiter, Vermittler, Lotse und Vertrauensperson.“

Mandy Ziege genießt bei den Treffen mit ihrer Familienpatin vor allem den Blick von außen. „Ich bekomme viele gute Ratschläge von ihr – zum Beispiel, wenn sich meine beiden größeren Kinder mal streiten.“ Die Patin sei auch Mutter von drei Kindern. So könne man sich gut über Erziehungsfragen austauschen. Inzwischen ist Mandy Ziege selbst Patin und betreut derzeit zwei Familien aus Nachbardörfern.

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