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Vor allem Gemeinden in Ostdeutschland betroffen : Immer mehr Austritte aus der Kirche

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die evangelischen Landeskirchen haben im vergangenen Jahr erneut deutlich mehr Mitglieder verloren als zuvor. Am stärksten betroffen sind Kirchen in Ostdeutschland.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Die evangelischen Landeskirchen haben im vergangenen Jahr erneut deutlich mehr Mitglieder verloren als zuvor. Am stärksten betroffen sind Kirchen in Ostdeutschland, wie aus einer aktuellen Umfrage der evangelischen Nachrichtenagentur idea unter allen 20 Landeskirchen in Deutschland hervorgeht. Demnach hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) 17  867 Austritte zu beklagen – 44 Prozent mehr als 2013. Die EKBO hat mehr als eine Millionen Mitglieder. Gegliedert ist sie in die vier Sprengel Berlin, Cottbus, Görlitz und Neuruppin.

Wie aus der idea-Umfrage weiter hervorgeht, hat auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mit einem großen Verlust zu kämpfen. Ihr kehrten rund 10 000 Mitglieder den Rücken. Das waren etwa doppelt so viele wie 2013. In Sachsen erwartet man gar einen Anstieg auf das Zweieinhalbfache. Die kleine Landeskirche in Anhalt meldet eine Verdreifachung – von 179 auf 615. Deutschlandweit dürften im vergangenen Jahr nach den noch unvollständigen idea-Zahlen bis zu 200 000 Menschen ihren Austritt aus einer der 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) erklärt haben. Das wäre der höchste Wert seit 1997, als die EKD 196  600 Mitglieder verlor. Seitdem sanken die Zahlen.Zuletzt lag die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland bei 23 Millionen. Auch bei der Katholischen Kirche sind die Austritte gestiegen. Mit 178 000 waren es im Jahr 2013 etwa 60 000 mehr als im Jahr zuvor. Dieser Zuwachs wurde 2014 nach ersten Angaben aus Großstädten noch einmal übertroffen.


Umstellung führt zu Irritationen


Als Hauptursache für den Aderlass vermuten die Landeskirchen ein Missverständnis im Zusammenhang mit der Kirchensteuer. Seit 2009 sind Kapitalerträge kirchensteuerpflichtig. Aber anfangs wurden die Kirchensteuern von den Kirchenmitgliedern im Zuge ihrer Einkommensteuererklärung abgeführt. Ab 2013 sollten die Banken die Kirchensteueranteile abführen. Seit Januar 2015 geht das automatisch – mit einer anonymisierten Kennziffer, in der das Bundeszentralamt für Steuern die Banken über eine Religionszugehörigkeit der Kunden informiert. Doch 2013 und 2014 mussten die Banken ihre Kunden einzeln über die Kirchensteuerabführung informieren. Sofort schossen die Austrittszahlen in die Höhe. Die neue Regelung sei von den Kirchen nicht ausreichend kommuniziert worden, heißt es dazu aus den Kirchenämtern. Oft würden Mitglieder denken, es handele sich um eine neue oder zusätzliche Belastung. Dem sei nicht so.

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