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Nackt wandern : Im wahrsten Sinne hautnah

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Trebbin soll der erste Nacktwanderweg in Brandenburg entstehen. Doch es gibt einige Bedenken.

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 08:30 Uhr

Ein Naturfreund sorgt in Trebbin (Teltow-Fläming) seit Monaten für Diskussionen: Er will in der Nähe der Stadt den ersten Nacktwanderweg in Brandenburg einrichten. Bei der gegenwärtigen Kälte verschwendet Ulfert Hanschur keinen Gedanken daran, nackt durch die Natur zu wandern. Seine Gesundheit wolle er nicht aufs Spiel setzen, sagt der 54-Jährige. Aber im Sommer ist der Naturist, wie er sich selbst bezeichnet, wieder nur mit Schuhen bekleidet unterwegs. Und er hofft, dass er dies bald regelmäßig in seiner Heimat tun kann – auf einem offiziellen Weg.

Hanschur hat im Jahr 2012 bei der Stadt Trebbin beantragt, einen Nacktwanderweg einzurichten. Es wäre der erste im Land, der dritte deutschlandweit. Um das Interesse an diesem Hobby zu demonstrieren, organisierte er im Juli eine Probewanderung. 85 Teilnehmer kamen – eine Zahl, die auch Lokalpolitiker beeindruckte. Doch von der Idee bis zur Umsetzung müssen noch einige Debatten bestritten und Anlieger der möglichen Routen überzeugt werden. „Wir wollen uns nirgendwo aufdrängen und nackt durch Dörfer wandern, sondern unter uns sein“, sagt der Mann aus Beelitz. Schließlich sei man in der DDR mit der Freikörperkultur aufgewachsen. Wenngleich die Nacktwanderbewegung in der Bundesrepublik begründet wurde.

Im Harz gibt es schon seit drei Jahren einen Pfad, der am Beginn auf überraschende Begegnungen hinweist: „Willst du keine Nackten sehen, darfst du hier nicht weitergehen.“ Auch in der Lüneburger Heide existiert ein entsprechender Weg. Ärger mit bekleideten Wanderern oder Passanten habe er noch nicht erlebt, beteuert Hanschur. „Man grüßt sich freundlich.“ Allein ist er freilich nicht nackt unterwegs, weil dies „falsche Interpretationen hervorrufen könnte“. Meist kommt seine Frau mit.

In Trebbin sind die Bürger noch geteilter Meinung, ob ein Nacktwanderweg der touristischen Vermarktung dienen kann oder eher für öffentlichen Aufruhr sorgt. Bürgermeister Thomas Berger (CDU) spricht sich für das Projekt aus. „Das wäre ein klares Alleinstellungsmerkmal“, ist er überzeugt. Gastronomie und Herbergen könnten von der Vermarktung profitieren. Allerdings, so fügt er hinzu, würde er selbst an diesen Wanderungen nicht teilnehmen. Tourismusmanagerin Beate Rantzsch berichtet, dass jetzt zwei Routenvorschläge geprüft werden. Auch sie kann der Idee nur Positives abgewinnen. „Leider lehnen manche in der Stadt das kategorisch ab“, sagt sie. Auch einige der befragten Grundstücksbesitzer entlang der zur Diskussion stehenden Wege, so ist zu hören, sind nicht begeistert. Laut Bürgermeister Berger habe ebenfalls die Kirche Bedenken angemeldet.

Stadtverordnetenvorsteher Peter Blohm hört immer wieder negative Meinungen. „Viele sagen, die Stadt habe Wichtigeres zu tun, als sich mit einem Nacktwanderweg zu beschäftigen“, so der 69-Jährige. Er drückt sich diplomatisch aus: „Das muss in der Bevölkerung auch gewollt sein.“

In der Harz-Gemeinde Wippra dagegen sind Naturisten längst Normalität. Die 13 Kilometer lange Rundstrecke entlang eines Stausees werde gut angenommen, berichtet Bürgermeisterin Monika Rauhut, die das Projekt umgesetzt hat. Im Ort störe sich niemand an den nackten Wanderern. In den Niederlanden wolle eine Agentur die Strecke jetzt vermarkten, berichtet sie stolz.

Bürgermeister Berger drückt aufs Tempo. „Mein Ziel ist, dass im Sommer ein Beschluss vorliegt“, betont er. Fällt dieser positiv aus, könnten noch 2014 die Schilder aufgestellt werden.

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