psychische Probleme unter Studenten zu : Im Dauerstress

Ein Viertel der Studenten fühlt sich laut einer Umfrage im Dauerstress.
Ein Viertel der Studenten fühlt sich laut einer Umfrage im Dauerstress.

An den Universitäten des Landes haben die Semesterferien fast begonnen, dennoch dürfte der Stresslevel vieler Studenten den Höhepunkt erreichen : Es herrscht Prüfungszeit.

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18. Juli 2015, 08:00 Uhr

An den Universitäten des Landes haben die Semesterferien fast begonnen, dennoch dürfte der Stresslevel vieler Studenten den Höhepunkt erreichen: Es herrscht Prüfungszeit. Zudem stehen Hausarbeiten an. „In manchen Fächern sind es zwei bis drei Prüfungen täglich, und das eine Woche lang“, sagt Florian Rumprecht, Referent für Hochschulpolitik beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in Potsdam. Die Belastungsgrenze sei für manche Kommilitonen längst erreicht, der psychische Druck enorm, sagt Rumprecht. Denn wer versagt, muss das Semester oftmals wiederholen. „Es ist nicht selten, dass sich Studenten krankschreiben lassen“, so der AStA-Vertreter.

Daher hat die Universität Potsdam für Betroffene die „Nightline“ geschaltet – ein Sorgentelefon von geschulten Studenten für Studenten. Zu dem Ergebnis, dass viele Kommilitonen überlastet sind, kommt auch eine Erhebung der Techniker Krankenkasse (TK) in der Region. Demnach brauchte jeder sechste angehende Akademiker professionelle Hilfe, um mit dem Stress umgehen zu können. Zudem werden Studenten auch immer mehr Medikamente gegen Nervenleiden verschrieben: Diese Zahl stieg zwischen 2013 und 2014 um 17 Prozent. Mittlerweile sechs Prozent erhalten die Diagnose Depression. Psychische Erkrankungen nehmen zwar in der Bevölkerung insgesamt zu, jedoch sei die von Studenten als sehr hoch empfundene Belastung alarmierend, sagt die TK-Landeschefin Susanne Hertzer. „Ein Drittel steht unter Dauerstress.“ In der Umfrage „Campus Kompass“ hätte jeder vierte Immatrikulierte angegeben, mit Sport, Entspannungsübungen oder private Unterstützung kaum noch Entlastung zu erreichen. „Prüfungsangst war schon immer da, aber wenn darunter die Gesundheit leidet, erreicht das eine neue Qualität“, erklärt Hertzer.

Gleichzeitig geht aus der Studie hervor, dass viele Studenten keinen gesunden Lebenswandel mehr pflegen, zu viel vor dem Computer sitzen und sich schlecht ernähren. So erklärte jeder neunte Befragte, dass durch obsessives Surfen im Internet längst Freunde und Familie vernachlässigt würden.

Nach Einschätzung der Krankenkassen-Managerin wird bei der „Generation Smartphone“ der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gesundheitsrisiken immer sichtbarer. „Wir müssen nicht nur in Schulen, sondern auch an Hochschulen die Medienkompetenz stärken, um einer gefährlichen Entwicklung entgegenzutreten“, fordert Hertzer. Doch im jüngst beschlossenen Präventionsgesetz des Bundesgesundheitsministeriums fehle dieses Handlungsfeld.

Mit Präventionsprogrammen für Studenten will die Techniker Krankenkasse gegensteuern, so mit gezieltem Mentaltraining, um Prüfungsangst abzubauen. Ein weiteres Pilotprojekt läuft an der Technischen Hochschule Wildau (Dahme-Spreewald). Dort wurden zwei Gesundheitsberater ausgebildet, die Kommilitonen bei ausuferndem Stress helfen und das Gesundheitsbewusstsein fördern. Bei Bedarf können sie eine Ärztin zu Rate ziehen. Zudem wurde in Wildau eine Anlaufstelle für Studenten geschaffen. „Sie finden dort in Krisensituationen Hilfe“, sagt Hochschulsprecher Bernd Schlütter.

Auch an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg wird ein Gesundheitsmanagement installiert. Ein Ziel sei, die psychologische Beratung zu stärken, sagt Projektkoordinatorin Birgit Berlin. AStA-Referent Rumprecht fordert vor allem Korrekturen der Rahmenprogramme. Mit den Bachelor-Studiengänge sei der Zeitdruck enorm gestiegen, sagt er. „Wenn viele die Anforderungen nicht mehr erfüllen können, muss umgesteuert werden.“

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