Whiskey-streit : Im Bannstrahl der Schotten

Flüssiges Gold: Norbert Eggenstein entnimmt aus einem Holzfass eine Probe. Drei Jahre lagert sein Whiskey „Glen Sandhill“ mindestens. Die ersten Spirituosen will er im Dezember 2015 abfüllen.
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Flüssiges Gold: Norbert Eggenstein entnimmt aus einem Holzfass eine Probe. Drei Jahre lagert sein Whiskey „Glen Sandhill“ mindestens. Die ersten Spirituosen will er im Dezember 2015 abfüllen.

Ende 2015 soll der erste Whiskey gezapft werden. Drei Jahre mindestens muss der edle Tropfen reifen, damit sich ein noch feineres Aroma herausbildet. Die Tendenz, betont Eggenstein, sei jedoch schon jetzt erkennbar.

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03. März 2014, 07:58 Uhr

Ein paar Schritte nur muss Norbert Eggenstein gehen, dann gelangt er vom Büro in seine Schatzkammer. Knapp 30 Whiskey-Fässer lagern in der oberen Etage des historischen Gebäudes. Das Markenzeichen prangt an der Frontseite, mit Kreide wurde das Datum der Befüllung daneben gekritzelt. Der 53-Jährige klopft auf Holz: „Der braucht noch Zeit.“ Ende 2015 soll der erste Whiskey gezapft werden. Drei Jahre mindestens muss der edle Tropfen reifen, damit sich ein noch feineres Aroma herausbildet. Die Tendenz, betont Eggenstein, sei jedoch schon jetzt erkennbar. Er zeigt auf leicht verstaubte Fässer an der Wand: „Die drei wurden schon verkauft, an einen Schotten.“

Der Händler klang interessiert, lobte die Proben und hatte auch an der Markenbezeichnung „Glen Sandhill“ nichts auszusetzen. Dennoch landete kurze Zeit später ein Anwaltsschreiben auf dem Schreibtisch des Unternehmers, der auch Bier in kleineren Mengen produziert. Die Scotch Whiskey Association will, dass Eggenstein seinen Hochprozentigen umbenennt.

Auf fünf Seiten führen die vom mächtigen Branchenverband beauftragten Juristen aus, wo traditioneller Whiskey hergestellt wird, nämlich in Destillen, die sich in den Glens – schmalen Tälern in Schottland – vor Jahrhunderten angesiedelt haben. Das Wort „Glen“ suggeriere, dass der Whiskey eben von dort stamme. Wer es verwende, so schreibt die Hamburger Kanzlei Taylor Wessing, wolle mit dem „Lebensgefühl und Ansehen“ der schottischen Destillen in Verbindung gebracht werden. Eggenstein öffnet das Fenster und deutet auf den Burgberg. „Mein Brauhaus liegt in einer kleinen Bergschlucht, auf Englisch heißt die eben Glen“, erläutert er. Zudem befindet sich sein Betrieb im Ortsteil Sandberg, der 1914 eingemeindet wurde. „Sandberg nenne ich Sandhill“, erläutert Eggenstein. „Ich sehe bei dem Markennamen keine Probleme. Wir wollten eben international klingen.“

Auch andere Whiskeybrenner haben immer wieder juristische Probleme mit schottischen Firmen. „Die sind schnell im Schießen“, sagt Hans-Gerhard Fink, Präsident des Verbandes der Deutscher Whiskeybrenner. So habe eine fränkische Destille ihr Produkt „Glen Mouse“ genannt – und letztlich im Kampf gegen die Scotch Whiskey Association aufgegeben.

War etwa ein schottischer Spion bei Eggenstein? Der Unternehmer winkt ab. „Er hatte vielleicht die Qualität nicht erwartet, so etwas spricht sich in der eng vernetzten Szene schnell herum“, sagt der Brauer. Dann schwärmt er von den Vorteilen deutscher Destillen, die „sauber wie Apotheken“ arbeiteten, bestes Malz verwendeten und die Gärung im Gegensatz zu den Schotten genau kontrollierten. Die Fässer hat er unter anderem bei einem Böttcher in Erkner geordert, der alte Wein- oder Cherryfässer säubert und von ihnen „toastet“. Ebenso ließen sich mit deutscher oder amerikanischer Eiche hervorragende Ergebnisse erzielen, erläutert Eggenstein. Rund zehntausend Euro soll ein mit 200 Litern Whiskey gefülltes Fass kosten, eine Flasche mindestens 49 Euro.

Eggenstein begründet den Preis mit dem Zeitaufwand und den hohen Kosten. Für das Maischen, die Gärung und das anschließende Brennen benötigt er insgesamt anderthalb Wochen. Drei Jahre dauert die Lagerung mindestens. „Da gibt es unwahrscheinlich viele Stellschrauben, an denen man drehen kann“, sagt er. „Whiskey hat Sexappeal.“ Dabei konnte der Lebensmitteltechnologe mit seinem Sohn, dem Braumeister, die Erfahrung mit der Bierproduktion nutzen. Die ersten Schritte sind identisch, ebenso die Zutaten. Die Geheimnisse des Brennens lernte sein Sohn in Manufakturen in Irland und Schottland. Von den Drohgebärden wollen sie sich nicht entmutigen lassen. „Das bedeutet, dass sie uns ernst nehmen“, sagt der gebürtige Westfale. „Bei Glen bleibe ich. Punkt.“

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