Geständnis : „Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe“

Kriminaltechniker sicherten Spuren, nachdem das tote Baby auf einem Grundstück gefunden worden war.
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Kriminaltechniker sicherten Spuren, nachdem das tote Baby auf einem Grundstück gefunden worden war.

Nach grausigem Fund einer Babyleiche steht eine Mutter vor Gericht.

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15. Juli 2014, 07:13 Uhr

Neun Monate nach dem Fund einer Babyleiche auf einem Kompostierer hat die Mutter zum Prozessauftakt in Potsdam gestanden, ihr Neugeborenes erstickt zu haben. „Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe“, sagte die Angeklagte. „Das war wie ein Tunnel.“ Sie habe das Baby im Oktober 2013 allein auf der Toilette zur Welt gebracht und dann Toilettenpapier auf seinen Mund gedrückt, sagte die 35-Jährige gestern vor dem Landgericht Potsdam. Zuvor habe sie die Schwangerschaft verdrängt. „Ich habe gar nicht weiter darüber nachgedacht und ganz normal weitergelebt“, sagte die Angeklagte, die bereits einen sechsjährigen Sohn hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor.

Sie habe den Jungen in eine Handtuch und in Papier gepackt, habe das Bündel mit Klebeband umwickelt. „Dann habe ich es erstmal in die Waschmaschine gelegt, damit es aus dem Blickfeld ist“, schilderte die zierliche Frau unter Tränen. Die Oma des Jungen fand die Babyleiche später auf dem Kompostierer auf ihrem Grundstück in Glindow (Potsdam-Mittelmark), wo die Familie zusammen lebte.

Über ihren damaligen Alltag sagte die Frau, sie habe nach langer Suche endlich wieder eine feste Anstellung in einem Callcenter gehabt. Die finanzielle Situation sei angespannt gewesen. Ihre Partnerschaft beschrieb sie als eigentlich harmonisch. Den Alltag habe aber vor allem sie bewältigen müssen. Das Zusammenleben von drei Generationen auf einem Grundstück habe sie zunehmend als Belastung empfunden. „Manchmal war mir alles zu viel.“ Sie habe daran gedacht, auszuziehen.

Mit leiser Stimme schilderte sie, dass sie die Schwangerschaft verdrängt habe. Als die Mutter ihres Partners einen Verdacht hegte, habe sie eine erneute Schwangerschaft verneint. Auch ihren Partner belog sie. Körperlichen Kontakt habe sie versucht zu vermeiden. Mit locker sitzender Kleidung habe sie die Schwangerschaft verborgen.

Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die 35-Jährige voll schuldfähig ist. Nach der Tat am Wochenende ging die Angeklagte am Montag zunächst normal arbeiten. Einen Tag später stellte sie sich, nachdem die Babyleiche gefunden worden war. Die gelernte Einzelhandelskauffrau ist nach kurzer Untersuchungshaft auf freiem Fuß und arbeitet derzeit als Küchenhilfe. Nach der Tat ging ihre Beziehung in die Brüche, sie lebt nicht mehr auf dem Grundstück in Glindow.

Ihren Sohn sehe sie zweimal im Monat, berichtete sie vor Gericht. Das Kind lebt derzeit beim Vater und dessen Familie. Die Angeklagte kämpft vor dem Oberlandesgericht Brandenburg um das Sorgerecht, das ihr entzogen wurde. Sie hat derzeit ein Umgangsrecht. Ihr Ex-Partner stand laut Behörden nicht im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Der Mann tritt im Strafverfahren als Nebenkläger auf.

Das Gericht hat zunächst insgesamt fünf Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte demnach am 31. Juli gesprochen werden. Der Prozess soll am 17. Juli unter anderem mit der Zeugenaussage des Ex-Partners der Angeklagten fortgesetzt werden.

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