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Kurort : Heilbad-Prädikat in Gefahr

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Zumindest der Bürhgermeister zeigt sich zuversichtlich, dass die Stadt das Heilbad-Prädikat erhalten kann. Doch ist der Optimismus gerechtfertigt?

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 13:32 Uhr

„Der Deutsche Wetterdienst hat der Stadt Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) bescheinigt, dass sie alle lufthygienischen Voraussetzungen für ein Moorheilbad erreicht“, sagte der Bürgermeister kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung kämpferisch. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Stadt das Heilbad-Prädikat, die höchste von sieben Stufen, erhalten kann. Am Freitag habe er jetzt per Mail seinen Brief nach Potsdam geschickt, erklärte Lehmann. Wie die Stadt dokumentieren muss, dass es ihr mit dem Heilbad-Status ernst ist, darüber wollte sich Hans-Joachim Wersin-Sielaff, Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, nicht äußern. „Es handelt sich hierbei um ein laufendes Verfahren“, teilte er mit. Erst wenn die Unterlagen eingegangen seien, könne der Landesfachbeirat beurteilen, ob die Aussagen und Planungen der Stadt ausreichend seien. Dies sei aber bis Ende der Woche noch nicht der Fall gewesen.

Beim Landesfachbeirat handelt es sich um ein Gremium, dessen Besetzung im Brandenburgischen Kurortegesetz festgeschrieben ist. Dort sitzen Vertreter aus vier Ministerien, dem Brandenburgischen Bäder- und Kurorteverband, dem Landesfremdenverkehrsverband, dem Städte- und Gemeindebund und der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung. Der Beirat berät die Ministerien in Bezug auf die Anerkennung der Kur- und Erholungsorte.

Nach einer Visitation im Juli 2013 hatte der Landesfachbeirat Bad Freienwalde eine vernichtende Kritik erteilt. Demnach habe es in der Stadt in den vergangenen zehn Jahren die geringste Entwicklung im Vergleich der sieben Heilbäder und Kurorte des Landes gegeben. Moorheilbad ist Bad Freienwalde schon lange, 1995 wurde das der Stadt erstmals bescheinigt. Seit 2003 führt sie den Titel als staatlich anerkanntes Moorheilbad. Der Titel sei unbefristet erteilt worden, er werde aber alle zehn Jahre überprüft, sagte Ralf Lehmann.

Der Beirat forderte nun von der Stadt sieben Auflagen, die sie zu erfüllen habe und die zum Teil schon im ersten Anerkennungsbescheid enthalten waren. Dazu zählt der Flächennutzungsplan, in dem „die Kur- und Erholungsgebiete als Sondergebiete in ausreichender Anzahl“ ausgewiesen sind. Ferner fordert er einen Lärmaktionsplan. Der Lärmminderungsplan von 1996 werde nicht akzeptiert.


Nicht genug Betten und weitere Mängel


Nach der Schließung von zwei Hotels reiche die Bettenzahl für ein Heilbad nicht mehr aus. Zudem forderte er die Klassifizierung und Zertifizierung des Gastgewerbes, ein Marketingkonzept und die Erhaltung des Kurmittelhauses. Es stand kurzfristig zur Disposition, weil es rote Zahlen schreibt. Mit Befremden reagierte das Gremium auf den Beschluss der Stadtverordneten, die „stadtbildstörende“ Brücke, über die die B 158 führt, nicht abzureißen. Bürgermeister Lehmann machte in seinem Brief deutlich, dass die Brücke erst dann abgerissen werden solle, wenn der Bund die seit Jahren geplante Ortsumfahrung realisiert habe.

Für den Flächennutzungsplan, den Lärmaktionsplan und das Marketingkonzept seien in den vergangenen Monaten Aufträge erteilt worden, erklärte Lehmann. Und auch die Bettenzahl entwickele sich wieder positiv.

Wie der Landesfachbeirat diese Entwicklung bewertet, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung treffen das Gesundheits- und das Wirtschaftsministerium. Der Titel „Bad“ stehe nicht zur Debatte, sagte der Ministeriumssprecher. Sollte das Prädikat Moorheilbad nicht erfüllt werden, müsse gemeinsam mit der Stadt geprüft werden, ob die Voraussetzungen für ein niederschwelligeres Kurort-Prädikat gegeben seien. Damit bestünde die Möglichkeit, dass die Stadt weiter staatlich anerkannter Kurort bleibt, jedoch nicht mehr mit dem höchsten Prädikat, sondern wie Bad Liebenwerda „Ort mit Peloid-Kurbetrieb“ (Heilerden). Das Prädikat sei eine Frage des Images, erklärte Ministeriumssprecher Wersin-Sielaff. Hinsichtlich finanzieller Zuwendungen sei das Prädikat allerdings grundsätzlich unerheblich.

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